Digitalzwang im Alltag
Frankfurt bezuschusst Senioren mit 250 Euro für digitale Geräte
15.09.2026 – 07:46 UhrLesedauer: 2 Min.
Senioren mit wenig Geld können in Frankfurt bald bis zu 250 Euro für ein Smartphone beantragen. Hintergrund ist der wachsende Digitalzwang im Alltag.
Frankfurt will die digitale Teilhabe älterer Menschen verbessern. Einkommensschwache Seniorinnen und Senioren ab 65 Jahren sollen ab dem vierten Quartal 2026 einen Zuschuss von 250 Euro für Smartphone, Tablet oder Laptop beantragen können. Nanine Delmas, Leiterin des Jugend- und Sozialamtes, sagt: „Ältere Menschen sollen nicht von wichtigen Angeboten und vom gesellschaftlichen Leben ausgeschlossen werden, nur weil vieles heute digital funktioniert.“
Anspruch auf den Zuschuss sollen Frankfurterinnen und Frankfurter ab 65 Jahren haben, die Grundsicherung oder Wohngeld erhalten oder einen Frankfurt-Pass besitzen. Nach Angaben der Stadt soll der Antrag in jedem Frankfurter Sozialrathaus gestellt werden können. Zusätzlich sind Schulungsangebote für Menschen geplant, die wenig Erfahrung im Umgang mit digitalen Medien haben.
Viele ältere Menschen haben Internet noch nie genutzt
Wie groß die Gruppe ohne Online-Zugang sein kann, zeigen Zahlen des Statistischen Bundesamts. In der Altersgruppe der 65- bis 74-Jährigen hatten 2025 rund zehn Prozent das Internet noch nie genutzt. Bundesweit entspricht das knapp 2,1 Millionen Menschen.
Im Alltag kann fehlende digitale Erfahrung zum Hindernis werden, etwa bei der Terminvergabe in Arztpraxen. Laut Verbraucherzentrale Hessen gibt es Praxen, die telefonisch überhaupt nicht mehr direkt erreichbar sind. Philipp Wendt, Vorstand der Verbraucherzentrale Hessen in Frankfurt, sagt: „Das ist vor allem für ältere Menschen ein Problem.“
Die Verbraucherzentrale fordert deshalb, dass Ärztinnen und Ärzte neben Apps und Online-Portalen auch telefonische und direkte Wege offenhalten. Wendt fordert: „Es sollte aus unserer Sicht dringend ein Mindestangebot für ein analoges Leben beibehalten werden.“ Wer ausschließlich auf digitale Wege setze, schließe gerade die hilfsbedürftigsten Patienten aus, warnt die Verbraucherzentrale.
Arztpraxen oftmals nur telefonisch erreichbar
Die Landesärztekammer Hessen führt den Rückgang der telefonischen Erreichbarkeit vor allem auf fehlendes Personal zurück. Es werde immer schwieriger, medizinische Fachangestellte zu finden, erklärte eine Sprecherin. Zugleich räumte sie ein, dass direkte Kommunikation mit Patientinnen und Patienten am Telefon oder am Praxistresen wichtig bleibe.
Auch Hessens Datenschutzbeauftragter Alexander Roßnagel sieht Risiken, wenn Angebote nur noch digital zugänglich sind. Er hat einen wachsenden Digitalzwang bei Leistungen der Daseinsvorsorge beklagt und darauf verwiesen, dass Facharzttermine teils nur noch über spezielle Apps vereinbart werden könnten. Dabei würden Gesundheitsdaten an Dritte übertragen; Roßnagel hat gefordert, dass analoge Zugangswege eingeschränkt erhalten bleiben müssen.