Daraus entstand im Laufe der Zeit eine außergewöhnliche Gesprächsreihe: Zu den Gästen gehörten renommierte Historiker wie Gudrun Krämer, der führende Völkerrechtsexperte Claus Kress, Sonderberater des Internationalen Strafgerichtshofs in Den Haag, und Yael Danieli, eine Pionierin der Traumaforschung und Opferrechte. „Der Konflikt ist mehr als nur Politik oder Geschichte“, sagt Efe. „Es ist wichtig zu erkennen, dass es in erster Linie um den Menschen geht.“ Sie erklärt, dass Menschenrechte und internationales Recht den Rahmen bildeten, innerhalb dessen die Gruppe verschiedene Positionen diskutieren konnte.
In Trauer vereint: Geschichten aus dem Elternkreis
Einen besonderen Eindruck hinterließ bei den jungen Studierenden die Begegnung mit Mitgliedern des Parents Circle Families Forum. Als israelisch-palästinensische Initiative bringt sie Menschen zusammen, die im Konflikt Familienmitglieder verloren haben, sich aber dennoch für Frieden und Verständigung einsetzen. An einige ihrer Geschichten erinnert sich Alexandria noch heute genau.
„Mai erzählte uns von seinem Großvater Haim Perry, einem israelischen Friedensaktivisten, der Transporte für kranke Kinder aus Gaza organisiert hatte und am 7. Oktober als Geisel genommen und später ermordet wurde“, sagt sie. Sima erzählte von ihrem 14-jährigen Bruder Mahmoud, der im Westjordanland erschossen wurde, und davon, dass ihre palästinensische Mutter nach dem Verlust ihres Sohnes zunächst keinen Kontakt zu Israelis haben wollte. Ihre Meinung änderte sich erst, als sie eine israelische Mutter traf, die ebenfalls ein Kind verloren hatte. „In diesem Moment wurde meiner Mutter klar, dass es keinen israelischen Schmerz und keinen palästinensischen Schmerz gibt. Sie waren nur zwei Mütter, die den gleichen Schmerz teilten“, sagt die junge Frau im Podcast.
Widersprüche akzeptieren: die harte Disziplin des Zuhörens
Immer wieder trafen die Jugendlichen auf Menschen, deren Sicht auf den Konflikt sich von ihrer eigenen unterschied. Manche Aussagen überraschten sie, andere forderten sie heraus. Für Yusuf ist genau das eines der wichtigsten Dinge, die ihn das Projekt gelehrt hat. „Zuhören ist tatsächlich eine Fähigkeit, die man aktiv erlernen muss“, sagt er. Er erklärt, dass die Herausforderung darin bestand, Widersprüche zu akzeptieren und zuzulassen, dass Fragen unbeantwortet bleiben.
Obwohl jede Frage bis ins kleinste Detail vorbereitet war: Gemeinsam mit einem Pädagogen beschäftigte sich die Gruppe bereits ein halbes Jahr vor der ersten Aufnahme intensiv mit dem Konflikt. Auch die einzelnen Episoden wurden gemeinsam mit dem Experten vorbereitet und anschließend besprochen.
Internationale Resonanz: ein Projekt mit Nachwirkung
Die Ernsthaftigkeit, mit der die Jugendlichen das Projekt verfolgten, blieb nicht unbemerkt. „Wir waren überwältigt von der positiven Resonanz internationaler Experten von Universitäten“, sagt Yusuf. Auch bei Lehrern und anderen Schulen stieß das Projekt auf großen Anklang. Die Studierenden freuten sich besonders über die Beachtung des Projekts durch politische Bildungseinrichtungen – darunter die Bundeszentrale für politische Bildung, die Landeszentrale für politische Bildung Berlin und den Antisemitismus-Präventionsnewsletter des Berliner Bildungsamts.
Für Alexandria gibt es eine Erkenntnis, die besonders hervorsticht: „Man kann völlig unterschiedliche Ansichten über denselben Konflikt haben und trotzdem miteinander darüber reden“, sagt sie. „Diese Begegnungen haben mir deutlich gemacht, wie wichtig es ist, neugierig zu bleiben und die Menschen nicht auf ihre Einstellung zu einem politischen Thema zu reduzieren.“










