Herzinfarktrisiko bleibt unbemerkt

Warum dieser Blutwert häufig nicht ausreichend gesenkt wird


23.04.2026 – 13:51 UhrLesedauer: 2 Min.

Mehr als jeder zweite Deutsche hat erhöhte Cholesterinwerte. (Quelle: gorodenkoff/getty-images-bilder)

Zu hohe Cholesterinwerte bleiben in Deutschland oft unbehandelt. Doch das erhöht das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall deutlich.

Wer erhöhte LDL-Cholesterinwerte nicht ausreichend senkt, riskiert ernsthafte gesundheitliche Folgen. Aber genau das passiert in Deutschland offenbar häufig: Aktuellen Studien zufolge werden viele Betroffene nicht so behandelt, wie es zu empfehlen wäre. Darauf weist die Deutsche Herzstiftung hin.

Demnach erreicht nur etwa ein Viertel (27 Prozent) der von einem Facharzt für Herzerkrankungen (Kardiologe) betreuten Patienten die empfohlenen Zielwerte. In Hausarztpraxen sind es sogar nur zwölf Prozent. Besonders kritisch: Jeder vierte Herzpatient erhält dort gar keine cholesterinsenkende Therapie.

Ein Grund für diese Versorgungslücken liegt in unterschiedlichen Behandlungsstrategien. Kardiologen orientieren sich häufig an den europäischen Leitlinien der European Society of Cardiology, die einen klaren Zielwert vorgeben. Hausärzte richten sich hingegen oft nach der Nationalen Versorgungsleitlinie und arbeiten eher mit festen Medikamentendosen, ohne einen konkreten Zielwert anzustreben.

Das führt zu Unterschieden: Während Fachgesellschaften einen LDL-Wert von unter 55 Milligramm pro Deziliter (mg/dl) empfehlen, gilt in vielen Hausarztpraxen bereits ein Wert unter 70 mg/dl als ausreichend. Doch schon dieser Unterschied von 15 mg/dl kann das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall massiv erhöhen.

„In Deutschland gelingt es auffällig selten, Patienten mit erhöhtem LDL-Cholesterin im Blut den medizinischen Leitlinien gemäß zu behandeln“, sagt Kardiologe Prof. Dr. Oliver Weingärtner, Oberarzt und Leiter der Lipidambulanz an der Klinik für Kardiologie und Angiologie am Universitätsklinikum Jena.

Ein weiteres Problem betrifft moderne Medikamente, etwa sogenannte PCSK9-Hemmer. Diese Wirkstoffe senken das LDL-Cholesterin besonders stark. Allerdings dürfen nur bestimmte Fachärzte die Therapie starten, nicht jedoch Hausärzte. Folgeverordnungen sind zwar möglich, diese werden aber oftmals nicht konsequent umgesetzt.

Vor allem jüngere Patienten unter 50 Jahren erhalten zudem häufig keine Therapie – fast jeder Zweite bleibt unbehandelt. Auch Frauen sind benachteiligt. Sie werden seltener optimal eingestellt, obwohl ihre LDL-Werte im Alter stärker steigen.

Viele Patienten unterschätzen zudem, wie wichtig eine ausreichende Senkung der Cholesterinwerte ist, und setzen Medikamente ab oder nehmen sie unregelmäßig ein. Auch Sorgen vor Nebenwirkungen wie Muskelschmerzen spielen hierbei eine Rolle. Solche unerwünschten Wirkungen treten jedoch weitaus seltener auf als gemeinhin angenommen – die meisten Menschen vertragen Cholesterinsenker gut.

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