Warnung vor Kürzungen

„Schäbig“: Scharfe Kritik an Pflege-Plänen von Schwarz-Rot

11.05.2026 – 16:47 UhrLesedauer: 3 Min.

Friedrich Merz und Nina Warken (Archivbild): Unter anderem die Chefin des AOK-Bundesverbandes ist mit ihren Plänen nicht einverstanden. (Quelle: IMAGO/dts Nachrichtenagentur/imago)

Gewerkschaften und Kassen schlagen Alarm. Schwarz-Rot steht wegen drohender Kürzungen bei der Pflege in der Kritik. Auch ein Ex-Gesundheitsminister äußert sich.

Zum Internationalen Tag der Pflege am Dienstag haben Gewerkschaften und Verbände eindringlich vor Kürzungen zulasten von Pflegebedürftigen und Pflegepersonal gewarnt. Die Gewerkschaft Verdi wandte sich am Montag entschieden gegen entsprechende Pläne von Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU). Krankenkassen und Verbände forderten eine stärkere Beteiligung des Bundes an der Sozialen Pflegeversicherung. Eine Studie der Krankenkasse AOK verweist auf eine hohe Belastung pflegender Angehöriger.

Gesundheitsministerin Warken will bis Mitte Mai einen Gesetzentwurf für eine Pflegereform vorlegen. Dabei drohen deutliche Mehrbelastungen für pflegebedürftige Menschen in Heimen sowie ein erschwerter Zugang zu Leistungen der Pflegeversicherung generell. Warken verwies in diesem Zusammenhang am Wochenende auf ein erwartetes Defizit der Pflegeversicherung für 2027 und 2028, das sie auf zusammen 22,5 Milliarden Euro bezifferte und das damit höher ausfallen würde als zunächst gedacht.

„Die Kürzungspläne der Bundesregierung treffen überwiegend Versicherte, pflegebedürftige Menschen und Beschäftigte im Gesundheitswesen“, kritisierte Verdi-Bundesvorstandsmitglied Sylvia Bühler. Neben der gesetzlichen Krankenversicherung drohe nun auch der Pflegeversicherung „ein Kürzungspaket, das pflegebedürftige Menschen und Beschäftigte trifft, statt die Finanzierung nachhaltig und solidarisch zu sichern“. Statt eine Bürgerversicherung einzuführen, zu deren Finanzierung alle Einkommensarten beitragen müssten, kürze die Bundesregierung lieber bei Pflegekräften und pflegebedürftigen Menschen. Dies sei „schäbig“.

  • Schröder als Unterhändler? Die SPD sendet ein verheerendes Signal
  • Putins Schröder-Vorschlag: „Nicht, dass er versehentlich am falschen Tisch Platz nimmt“

Bund soll Pandemiekosten „endlich“ refinanzieren

Die Vorstandsvorsitzende des AOK-Bundesverbandes, Carola Reimann, kritisierte, dass die Stabilisierung der Pflegeversicherung „vor allem durch Leistungskürzungen und zusätzliche Belastungen organisiert werden“ solle. Der Eindruck, dass sich die Bundesregierung zur Sanierung des Staatshaushalts „derzeit mit einem Griff in die Sozialkassen“ behelfe, setze sich nach der Krankenkassenreform nun auch bei der Pflegereform fort. Signale dazu, ob der Bund seinen Beitrag leisten wird, indem er etwa seine Schulden aus der Corona-Zeit bei der Sozialen Pflegeversicherung begleicht, fehlten hingegen.

Auch die Arbeiterwohlfahrt (AWO) forderte, versicherungsfremde Leistungen wie die insgesamt 5,5 Milliarden Euro Pandemiekosten und die jährlich 4,2 Milliarden Euro Rentenversicherungsbeiträge für pflegende Angehörige „endlich durch den Bund“ zu refinanzieren. Das Defizit der Pflegeversicherung rühre unter anderem daher, dass sowohl die derzeitige als auch die Vorgängerregierungen sich „wiederholt und anhaltend bei den Pflegekassen bedienen, um gesamtgesellschaftliche Aufgaben zu finanzieren“.

Pflegende Berufstätige besonders stark belastet

Auch die gesetzlichen Krankenversicherungen fordern mehr staatliche Mittel für die Pflegeversicherung. Der Vorstandsvorsitzende des GKV-Spitzenverbandes, Oliver Blatt, nannte in der „Rheinischen Post“ konkret Investitionskosten sowie die Rückzahlung ausstehender Gelder aus der Zeit der Corona-Pandemie. Würden die Bundesländer hier ihre Aufgaben wahrnehmen, könnten nach Blatts Angaben alle Pflegeheimbewohner sofort um durchschnittlich rund 500 Euro pro Monat entlastet werden.

Share.
Exit mobile version