„Sie tanken nicht einmal“

Reinhold Messner rechnet mit Influencern in Südtirol ab


14.10.2026 – 13:56 UhrLesedauer: 3 Min.

Reinhold Messner: Der Südtiroler bestieg in seiner Karriere alle 14 Achttausender der Erde. (Quelle: Christoph Hardt/imago-images-bilder)

Als Alpinist und Südtiroler hat Reinhold Messner einen ganz klaren Standpunkt zum Massentourismus in seiner Heimat. Er glaubt auch, die Lösung für das Problem zu kennen, und hat konkrete Vorschläge.

Europas Bergregionen erleben einen Ansturm wie nie zuvor. Allein Südtirol (Italien) zählte im Jahr 2025 nach Angaben des Landesstatistikinstituts Astat 38,2 Millionen Übernachtungen und 9,1 Millionen Ankünfte – ein Rekord. Im August wurde die Marke von sechs Millionen Übernachtungen in einem einzigen Monat überschritten. Die Folgen dieses riesigen Interesses an den Bergen sind stark erhöhter Verkehr, Umweltverschmutzung und für die Einheimischen steigende Lebenshaltungskosten und Immobilienpreise.

Extrembergsteiger Reinhold Messner hat nun einen konkreten Vorschlag, wie sich die Besuchermassen bändigen lassen könnten. „Für die Dolomiten habe ich ein zeitbasiertes Buchungssystem vorgeschlagen, sogenannte Slots, wie es in einigen Reisezielen in den USA bereits üblich ist“, sagte der 82-jährige gebürtige Südtiroler der Tageszeitung „Corriere dell’Alto Adige“. Wanderer sollten den Zugang zu einem bestimmten Gebirgszug für einen festgelegten Zeitraum reservieren müssen – etwa für zwei Tage. Die Kosten dafür wären gering, betont er. Es gehe vor allem darum, Besucherströme zu lenken.

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Messner, der in seiner Karriere zweimal den Mount Everest (8.849 Meter) bestieg, nennt ein konkretes Beispiel. Ist ein Massiv wie die Dolomiten-Gruppe Pale di San Martino für einen Zeitraum ausgebucht, würden keine weiteren Anfragen angenommen, sondern spätere Termine oder andere Gebiete vorgeschlagen. Das Ziel sei nicht, den Tourismus zu verringern, sondern die Besucher neu zu verteilen. „Wir müssen die richtige Anzahl an Touristen für jeden Ort finden, ohne die Besucher gleichzeitig an denselben Orten zu konzentrieren.“

Vor allem für die Belluneser Dolomiten sei das Potenzial aus seiner Sicht bislang nicht ausgeschöpft, weil der Tourismus dort weniger weit entwickelt sei als in Trentino-Südtirol. Einen Widerspruch zur wirtschaftlichen Abhängigkeit seiner Heimat von den Gästen sieht Messner darin nicht – im Gegenteil. Wer vom Berg leben wolle, müsse den Berg schützen: „So wie die Vereinigten Arabischen Emirate Öl verkaufen, so verkaufen wir die Landschaft. Wenn wir sie zerstören, indem wir zu viele Menschen an dieselben Orte locken, schaden wir dem Tourismus insgesamt.“

1980: Reinhold Messner hält einen Vortrag, nachdem er am 20. August 1980 den Mount Everest ganz allein und ohne Sauerstoffflaschen bestiegen hatte. (Quelle: IMAGO/United Archives / kpa Keystone)

Influencer: „Sie tanken hier nicht einmal“

Die Rolle der Influencer beurteilt Messner ambivalent. Ihre Reichweite erkennt er ausdrücklich an: „Influencer haben einen großen Namen und eine große Anhängerschaft, die sie fesseln können. Sie können unzählige Menschen anziehen.“

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