Europäer sollen Jagd auf Menschen gemacht haben
„Für ein 15-jähriges Mädchen musste man 100.000 Euro zahlen“
17.03.2026 – 14:22 UhrLesedauer: 3 Min.
Ärzte, Anwälte, Unternehmer: Wohlhabende Europäer sollen im Bosnienkrieg nach Sarajevo geflogen sein – um Jagd auf Menschen zu machen. Neue Recherchen bringen nun Details ans Licht.
Im Bosnienkrieg sollen mehrere hundert wohlhabende Hobbyjäger aus Europa und Nordamerika an Wochenenden Jagd auf Zivilisten in Sarajevo gemacht haben. Diesen Vorwurf erhebt der italienische Autor und Rechercheur Ezio Gavazzeni, dessen Buch „Cecchini del Weekend“ (“Die Wochenend-Sniper“) in Italien am Dienstag erscheint.
Nach seinen Angaben hat er seine Recherchen im Januar 2025 an die Staatsanwaltschaft Mailand übergeben. Dort würden derzeit rund ein Dutzend Verdächtige vernommen.
Nach Gavazzeni Erkenntnissen soll ein regelrechtes Netzwerk wohlhabender Männer aus mehreren westlichen Ländern bestanden haben, die während des Bosnienkrieges (1992–1995) dafür gezahlt haben, um Jagd auf Menschen machen zu können. Dabei soll es sich unter anderem um Ärzte, Anwälte, Notare, Architekten und Unternehmer gehandelt haben, berichtet Gavazzeni jetzt in einem Interview mit dem „Stern“. Sie seien sehr wohlhabend gewesen und hätten eine gemeinsame Leidenschaft für Waffen und Jagd gehabt.
Ein Informant habe ihm gesagt, dass allein rund 230 Italiener beteiligt gewesen sein sollen. „Wenn man noch die Sniper aus anderen europäischen Ländern dazurechnet, dann kommt man auf insgesamt etwa 500. Die Täter kamen offenbar auch aus Deutschland und Frankreich, den Niederlanden oder Spanien“, sagte der Autor in dem Gespräch mit dem „Stern“.
Die Italiener seien nach seinen Angaben über Triest geschmuggelt und anschließend mit Privatflugzeugen oder Helikoptern auf die Hügel um Sarajevo gebracht worden. Von dort aus hätten sie auf die in der Stadt eingeschlossenen Menschen geschossen. Zeugen hätten beschrieben, dass die Männer Tarnkleidung, Wanderschuhe, Sonnenbrillen und Jagdgewehre für Großwild mit sich geführt hätten.
Zu den belastendsten Schilderungen zählt laut Gavazzeni der Bericht eines Mannes, den er „den Franzosen“ nennt. Diesen habe er nicht persönlich getroffen, sondern nur per Mail und später telefonisch kontaktiert. Der Mann habe beschrieben, wie die Reisen organisiert worden seien.
Nach Gavazzenis Darstellung soll es sogar ein System mit festgelegten Summen für getötete Opfer gegeben haben. „Für ein Kind oder ein 15-jähriges Mädchen musste man nach heutiger Rechnung etwa 100.000 Euro zahlen, für Frauen etwa 70.000 Euro und für Männer etwa 50.000 Euro.“ Begleiter hätten demnach dokumentieren müssen, wie viele Menschen jeder Schütze getroffen habe.











