Hautkrebsfälle nehmen zu

Wird an der falschen Stelle gespart?

28.05.2026 – 13:26 UhrLesedauer: 3 Min.

Hautkrebsscreening (Symbolbild): Bislang können noch alle gesetzlich krankenversicherten Menschen ab 35 Jahren alle zwei Jahre das Angebot zur Früherkennung in Anspruch nehmen. (Quelle: Inside Creative House/getty-images-bilder)

Die Zahl der Hautkrebsfälle ist stark gestiegen, gleichzeitig möchte die Bundesregierung bei der Früherkennung sparen. Wie passt das zusammen?

In den vergangenen 20 Jahren hat sich die Zahl der in deutschen Krankenhäusern behandelten Menschen mit Hautkrebs fast verdoppelt: 2024 waren es laut dem Statistischen Bundesamt 120.100 Betroffene und damit 95 Prozent mehr als noch 2004. Ein Grund ist die alternde Bevölkerung: Das Hautkrebsrisiko steigt mit dem Alter deutlich an.

Zudem haben die großflächigeren Screeningangebote zur Früherkennung von Hautkrebs höchstwahrscheinlich zu deutlich mehr Diagnosen geführt. Trotzdem will die Bundesregierung das Hautkrebsscreening aus Spargründen auf den Prüfstand stellen. Auch ein Experte sieht bei dem derzeit geltenden Programm Reformbedarf.

Welche Angebote zur Früherkennung gibt es aktuell?

Bisher haben alle Versicherten ab einem Alter von 35 Jahren alle zwei Jahre Anspruch auf ein Hautkrebsscreening, unabhängig von persönlichen Risikofaktoren. Das Gesundheitsministerium weist darauf hin, dass Deutschland derzeit das einzige Land mit einem flächendeckenden, nicht risikobasierten Screening sei.

Warum könnte sich das ändern?

Derzeit stellt die Bundesregierung in allen Bereichen Ausgaben auf den Prüfstand, weil das Geld knapp ist. Das Gesundheitsministerium argumentiert, vorliegende Studien lieferten keine zuverlässigen Belege dafür, dass ein flächendeckendes Screening die Sterblichkeit bei Hautkrebs verringert.

Wie viele Menschen sterben an Hautkrebs?

Laut den jüngsten Zahlen des Statistischen Bundesamts hat auch die Zahl der Todesfälle durch Hautkrebs zugenommen: Im Jahr 2024 starben 4.600 Menschen an Hautkrebs, 65 Prozent mehr als 20 Jahre zuvor. Zum Vergleich: Im selben Zeitraum stieg die Zahl der Krebstoten in Deutschland insgesamt deutlich langsamer, nämlich um rund zehn Prozent.

Bringt das heutige Screeningprogramm also nichts?

Der Dermatologe Titus Brinker ist am Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg verantwortlich für digitale Prävention, Diagnostik und Therapiesteuerung. Er hält die bisherige Früherkennung keinesfalls für einen Misserfolg, „weil definitiv durch das Screening Melanome gefunden werden und diese Menschen prognostisch dadurch sehr häufig profitieren“, wie er im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur betont.

Schon gewusst?

Das Melanom wird auch schwarzer Hautkrebs genannt, da es auf heller Haut oft einem dunklen Muttermal oder Leberfleck ähnelt. Es ist neben weißem oder hellem Hautkrebs die wichtigste Hautkrebsart.

In einer älter werdenden Gesellschaft flössen nun mittlerweile die Daten vieler älterer – und irgendwann versterbender – Menschen mit Hautkrebs ein, da Krebs in höherem Alter häufiger vorkommt, erklärt Brinker. Dies schlägt sich in der aktuellen Statistik nieder: Mehr als die Hälfte der 2024 an Hautkrebs Gestorbenen war 80 Jahre oder älter (knapp 53 Prozent).

Zudem entwickle sich durch erfolgreiche Therapien schwarzer Hautkrebs zunehmend zu einer chronischen Krankheit, sodass Patienten erst später sterben, so Brinker weiter. Beides trage dazu bei, dass zeitliche Entwicklungen der Hautkrebssterblichkeit vorsichtig interpretiert werden müssten und nicht für sich genommen belegten, dass das Screening nicht funktioniere.

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