Kerosinmangel

Experte: So stark steigen ab Juni die Preise für Flugtickets


Aktualisiert am 24.04.2026 – 11:58 UhrLesedauer: 4 Min.

Flieger startet in der Abendsonne

Ein Flugzeug startet in den Sonnenuntergang: Wie real wird die Kerosinknappheit in Deutschland? (Quelle: Daniel Reinhardt/Archiv/dpa)

In Europa wird Flugtreibstoff knapper. Die Folgen für Airlines und Reisende sind spürbar. Wie ernst wird die Lage?

Forscher und Analysten haben eine anhaltende Knappheit von Flugtreibstoff in Europa festgestellt, die schon konkrete Auswirkungen auf den Flugverkehr hat. „Die Versorgung ist deutlich gestört, erste Länder erleben bereits echte Engpässe“, heißt es im Lagebericht des Lieferketten-Analyseunternehmens Prewave.

Ein zentraler Grund sei die eingeschränkte Versorgung aus dem Golfraum. Seit Ende Februar 2026 ist die Straße von Hormus für den kommerziellen Schiffsverkehr weitgehend blockiert. Rund 40 Prozent der europäischen Kerosinimporte kamen zuvor über diese Route. Alternative Lieferungen, etwa aus den USA, können die Lücke nur teilweise schließen, heißt es im Bericht.

Die Folgen zeigen sich deutlich. Der Preis für Flugtreibstoff ist laut Prewave auf rund 1.573 US-Dollar pro Tonne gestiegen. Das entspricht einem Plus von etwa 89 Prozent im Vergleich zu der Zeit vor der Krise. Gleichzeitig seien die Lagerbestände im wichtigen Drehkreuz Amsterdam-Rotterdam-Antwerpen (das sogenannte ARA-Hub) auf den niedrigsten Stand seit sechs Jahren gefallen. Was bedeutet das konkret?

„Die meisten Leute gehen davon aus, dass alles in Ordnung ist, solange Frankfurt, Schiphol oder Heathrow normal laufen“, sagt Prewave-Lieferkettenexperte Marco Felsberger t-online. Das sei genau die falsche Art, die Situation zu beurteilen. „Die Flughäfen, die das zuerst zu spüren bekommen, sind nicht die großen Drehkreuze, sondern die Urlaubsflughäfen: Palma de Mallorca, Heraklion, Málaga, Barcelona, Larnaka, Faro. Genau diese Ziele buchen viele Europäer gerade für den Sommer, und sie stehen ganz vorne in der Reihe, wenn physische Treibstoffengpässe auftreten“, so Felsberger weiter.

In Italien ist die Situation laut Lagebericht besonders angespannt. Dort seien schon an mehreren Flughäfen feste Obergrenzen für die Betankung von Flugzeugen eingeführt worden. Diese Maßnahmen beträfen unter anderem Kurzstreckenflüge ab Mailand, Venedig und Bologna. Flugausfälle, Verspätungen seien bereits aufgetreten. „Flüge werden nicht wegen fehlender Nachfrage gestrichen, sondern weil schlicht kein Treibstoff da ist. Griechenland und Spanien liegen nur Wochen hinter Italien, nicht Monate“, warnt Felsberger.

In Deutschland ist die Lage derzeit weniger angespannt als in Südeuropa, berichtet Prewave. Die Analysten beschreiben das Risiko für steigende Preise als „moderat ab Juni“. Gründe für diese Sicherheit lägen vor allem an der Nähe zum ARA-Drehkreuz und der zusätzlichen Versorgung über die Nordsee.

Dennoch gibt Felsberger zu bedenken: „Deutschland und Österreich haben zwar noch einen Puffer, aber die Abhängigkeit ist indirekter, als es scheint. Beide Länder sind auf Treibstoff aus dem Golf angewiesen, der Europa derzeit nicht mehr über die üblichen Routen erreicht.“ Und das Risiko betreffe nicht nur die Vorräte am Boden. „Flugzeuge, die von Frankfurt oder Wien zu eingeschränkten Zielen wie Bologna, Faro oder Heraklion fliegen, müssen beim Abflug möglicherweise deutlich mehr Treibstoff mitnehmen, nur um sicher zurückkehren zu können“, erläutert der Experte. Dieses zusätzliche „Tankering“ belaste wiederum die Abflughäfen und „macht aus einem entfernten Problem schneller ein lokales, als viele erwarten“.

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