Amthor bekommt den Ärger also stellvertretend für die gesamte Partei ab?

Genau. Es interessiert nicht mehr so sehr, was eine Partei leistet. Alle warten nur auf den nächsten Fehler, auf das nächste kleine Einfallstor wie diesen Strandkorb. Dann ist man am Ende der Dumme. Ich würde mir wünschen, dass wir uns mehr auf die Sache konzentrieren, Politiker als Menschen respektieren und auch das sehen, was ihnen gelingt.

Am Ende hatte die Empörung reale Konsequenzen. Amthor schickt den Strandkorb zurück. Hat er richtig reagiert?

Ich finde das eher lächerlich und die Debatte übertrieben. Ich verstehe nicht, warum der Strandkorb nicht einfach stehen bleiben kann. Es gibt keinen Grund, ihn zurückzuschicken. Aber vielleicht ist jetzt wenigstens Ruhe. Wer weiß, wie lange der Strandkorb sonst noch Thema geblieben wäre.

Dennoch wirkt die Kommunikation der CDU in der Doku streckenweise unprofessionell. Wie erklären Sie sich, dass eine große Volkspartei solche Schwächen zeigt?

Wir hatten dieselbe Diskussion über die Ampelregierung: Es hieß, sie sei schlecht aufgestellt und kommuniziere schlecht. Man muss sehen, dass es für große Parteien in der Mitte inzwischen sehr schwer ist, Menschen überhaupt noch zu erreichen. Sie müssen politische Problemlösungen anbieten, die meist relativ kompliziert sind. Gleichzeitig konkurrieren sie mit Parteien am rechten und linken Rand, die den Eindruck erwecken, es gebe für jedes Problem eine sehr einfache Lösung.

Carsten Linnemann (Archivbild): Der frühere Generalsekretär spielt in der Doku eine große Rolle. (Quelle: IMAGO/ESDES.Pictures, Bernd Elmenthaler/imago)

Viele Menschen wollen sich mit diesen komplizierten Fragen gar nicht auseinandersetzen. Sie denken: „Man muss nur die Zuwanderung begrenzen, dann wird alles gut.“ Oder: „Man muss den Reichen das Geld wegnehmen, dann wird alles gut.“ So ist es aber nicht. Die Wirklichkeit ist natürlich komplizierter, und das verständlich auszudrücken, ist viel schwieriger. Deshalb fällt es Parteien der Mitte im Moment generell schwer, Politik gut zu kommunizieren. Dazu kommt, dass erst einmal Lösungen gefunden werden müssen.

Aber warum schafft es die CDU nicht, diese Lösungen zu präsentieren?

Heute kann man kaum noch etwas Politisches vorschlagen, ohne Häme zu ernten. Das verunsichert die Parteien. Viele wissen gar nicht mehr, wie sie überhaupt noch kommunizieren sollen, weil es – egal, wie sie es machen – immer jemanden gibt, der sich öffentlich darüber aufregt oder lustig macht. Sei es über eine Entscheidung oder über eine Sache wie den Strandkorb vor dem Büro. Und diese Leute bekommen dann oft mehr Aufmerksamkeit als der eigentliche Sachverhalt. Wir müssen aufpassen, dass wir wieder mehr zuhören und versuchen zu verstehen, wenn jemand ein komplexes Problem erklären möchte – auch wenn er nicht die einfachen Lösungen parat hat. Das wirkt dann vielleicht ungeschickt, ist aber eigentlich nur ehrlich.

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