Pocher im Goldrausch

Doppelmoral des „Internet-Sheriffs“?


Aktualisiert am 07.05.2026 – 20:27 UhrLesedauer: 4 Min.

Oliver Pocher: Der Comedian hat es sich zur Aufgabe gemacht, andere Promis und deren Social-Media-Aktivitäten zu kontrollieren. (Quelle: IMAGO/Noah Wedel)

In seiner „Bildschirmkontrolle“ knöpft sich Oliver Pocher stets andere Promis vor und lästert über deren Werbeverhalten. Doch auch der Comedian selbst gibt Anlass zur Kritik.

Als selbst ernannter „Internet-Sheriff“ nimmt Oliver Pocher seit 2020 Influencer und andere Promis genau unter die Lupe und kritisiert deren Selbstdarstellung, Schleichwerbung und fragwürdige Geschäftsentscheidungen. Entsprechend groß sind die Fragen, die eine seiner eigenen Kooperationen aufwirft.

Pocher warb für den Goldhändler TGI AG. Dieser steht schon seit Längerem in der Kritik, nun hat die deutsche Finanzaufsicht Bafin sogar zwei Verkaufsmodelle des Unternehmens verboten. Dabei geht es um sogenannte Rabattmodelle. Kunden bezahlen Geld und erhalten Zinsen, das physische Gold sollen sie aber erst Monate später bekommen.

Die TGI AG verspricht damit bis zu 72 Prozent Rabatt auf Gold, wenn Käufer eine spätere Lieferung in Kauf nehmen. Das bringt allerdings ein hohes Risiko mit sich. Es ist sogar unklar, ob das Gold überhaupt existiert. Experten warnten schon lange vor dem Modell.

Weil es sich damit außerdem nicht um einen Sachkauf, sondern um eine Geldanlage handelt, muss ein von der Bafin gebilligter Verkaufsprospekt veröffentlicht werden. Darin muss über Risiken, Geschäftsmodell und Verwendung der Gelder informiert werden. Einen solchen Prospekt hat die TGI AG für ihre Angebote „Customer Basic 2 %“ und „Customer Basic 2 % + Treuerabatt“ allerdings nie vorgelegt.

Stattdessen setzt das Unternehmen auf prominente Werbung, um Vertrauen zu gewinnen. Für das inzwischen verbotene Rabattmodell sprach sich Oliver Pocher noch im Februar aus. In einem Instagram-Video schwärmte er: „Für mich hört sich’s gut an, für euch auch? Dann schaut vorbei!“

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Schon in der Kommentarspalte wunderten sich einige über Pochers Werbung. „Wow, was man so liest, klingt das nicht seriös. Warum so eine Werbung, wo Leute ihr Geld verlieren können. Nicht in Ordnung“, schrieb etwa ein Nutzer. „Wenn du dich nun für solche Bauernfängerei hingibst, ist das Dschungelcamp nicht mehr weit“ und „Warum suchst du dir keinen seriösen Anbieter, wo deine Fans nicht mit hoher Wahrscheinlichkeit ihr Geld verlieren?“, kommentierten weitere.

„Eigentlich ist der Helmut ein Fall für die BILDSCHIRMKONTROLLE“, merkte ein Follower außerdem an. Die Rede ist von Helmut Kaltenegger, mit dem Pocher in dem Clip zu sehen ist. Er ist der Gründer der TGI AG und stand schon 2025 in Österreich wegen Betrugsvorwürfen vor Gericht, wurde aber freigesprochen.

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