Studie zu Ocrelizumab

Auch bei fortgeschrittener MS kann sich die Therapie lohnen


31.05.2026 – 10:41 UhrLesedauer: 3 Min.

Arztbesuch (Symbolbild): Jede Form von MS erfordert eine individuell angepasste Therapie. (Quelle: AnnaStills/getty-images-bilder)

Die MS-Therapie soll Körperfunktionen erhalten oder verbessern. Mit dem Wirkstoff Ocrelizumab gelingt das oft sogar in schweren Fällen der MS-Form PPMS.

Ocrelizumab ist bereits gegen bestimmte Formen von Multipler Sklerose zugelassen. Nun ist nachgewiesen, dass der Wirkstoff das Fortschreiten der Behinderung bei Menschen mit Primär Progredienter MS (PPMS) deutlich verlangsamt. Selbst ältere Betroffene und solche mit fortgeschrittener Erkrankung, die auf einen Rollstuhl angewiesen sind, profitieren von der Behandlung. Das hat eine große internationale Studie unter der Leitung der Queen Mary University of London ergeben.

Schon gewusst?

Multiple Sklerose ist eine unheilbare entzündliche Erkrankung des Gehirns und des Rückenmarks. Die befallenen Nerven können ihre Funktion nicht mehr richtig erfüllen. Die Erkrankung verläuft überwiegend in Schüben, wobei häufig keine oder nur geringe körperliche Funktionseinschränkungen zurückbleiben. Die Aktivität und der Verlauf von MS sind jedoch sehr unterschiedlich.

Fokus auf Menschen mit fortgeschrittener PPMS

Etwa fünf Prozent der Menschen mit Multipler Sklerose haben eine PPMS. Diese Verlaufsform ist in der Regel von Anfang an mit langsam zunehmenden körperlichen Einschränkungen verbunden. Anders als bei den schubförmigen MS-Formen sind die Behandlungsmöglichkeiten bei PPMS nach wie vor begrenzt: Ocrelizumab ist einer der wenigen gegen PPMS zugelassenen Wirkstoffe. Er wird als Infusion in eine Vene verabreicht.

Ob Menschen mit fortgeschrittener PPMS noch von einer Behandlung profitieren können, ist weiterhin unklar. Das sollte die speziell für diese Fragestellung entwickelte Oratorio-Hand-Studie ändern: Hier konzentrierte sich das Forschungsteam darauf, die Wirkung von Ocrelizumab bei älteren und stärker beeinträchtigten Personen mit PPMS zu untersuchen, besonders im Hinblick auf den Erhalt der Handfunktion.

Internationale Studie mit über 1.000 Betroffenen

An der Studie nahmen 1.013 Betroffene aus 22 Ländern bis zum Alter von 65 Jahren teil, darunter viele mit erheblichen Mobilitätseinschränkungen. Das macht sie zur bislang größten hochwertigen Behandlungsstudie an Menschen mit PPMS. Die Teilnehmer wurden per Zufallsprinzip einer von zwei Gruppen zugeteilt: Eine Gruppe wurde mit Ocrelizumab behandelt, die andere bekam ein identisch aussehendes und auf die gleiche Weise verabreichtes Scheinmedikament (Placebo).

Das Forschungsteam untersuchte die Gehfähigkeit und bewertete die Funktion der oberen Extremitäten mithilfe eines Tests, der die Geschicklichkeit von Händen und Armen misst. Diesem maß das Team eine besondere Bedeutung bei, da der Erhalt der Handfunktion einen großen Einfluss auf die Selbstständigkeit, die Kommunikation und die Lebensqualität von Menschen mit fortgeschrittener PPMS haben kann.

Studienergebnisse belegen deutlichen Nutzen

Die Ergebnisse der Studie sind in der Fachzeitschrift „The Lancet“ nachzulesen. Danach zeigte sich anhand mehrerer Messgrößen für die Behinderung insgesamt, dass Ocrelizumab das Fortschreiten der PPMS deutlich verlangsamt.

Bei den mit Ocrelizumab behandelten Personen war das Risiko für ein Fortschreiten der Behinderung um 30 Prozent geringer als bei denjenigen, die ein Placebo erhielten. Nach zwölf Wochen hatte sich die Funktionsfähigkeit der Hände und Arme in der Ocrelizumab-Gruppe um 41 Prozent weniger verschlechtert als in der Placebo-Gruppe. Bei denjenigen, die zu Beginn der Studie noch gehen oder sich frei bewegen konnten, senkte Ocrelizumab das Risiko, auf einen Rollstuhl angewiesen zu sein, um 52 Prozent.

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