Milliarden-Projekt
Showdown vor dem Votum: Streit um Frankenschnellweg
Aktualisiert am 14.06.2026 – 03:54 UhrLesedauer: 3 Min.

Am 28. Juni stimmt Nürnberg über sein größtes Bauprojekt ab. Vorher melden sich beide Lager mit neuen Argumenten zu Wort. Es geht um den Frankenschnellweg.
Wochen vor dem Bürgerentscheid über den Ausbau des Frankenschnellwegs am 28. Juni nehmen die Auseinandersetzungen Fahrt auf. Bei einem Bürgerentscheid stimmt die Stadtbevölkerung direkt über eine kommunale Frage ab – ohne Umweg über den Stadtrat. Möglich wurde das, weil die Initiative „Lieber zurück auf Los“ rund 14.000 Unterschriften gesammelt hatte. Der Abstimmungstermin ist der 28. Juni 2026.
Worum geht es?
Die Stadt Nürnberg will den Frankenschnellweg (A73) für rund eine Milliarde Euro kreuzungsfrei ausbauen: mit einem 1,8 Kilometer langen Tunnel, einem Park auf dem Tunneldeckel und mehr Lärmschutz für Anwohner. Das Baurecht liegt seit März 2025 endgültig vor, als das Bundesverwaltungsgericht eine Beschwerde des Bund Naturschutz zurückwies. Der erste Bauabschnitt im Westen soll nach aktueller Planung Anfang 2027 beginnen.
Wer ist dagegen?
Mehrere Oppositionsparteien und Wählergruppen haben sich zu einem Bündnis zusammengeschlossen und werben in ganz Nürnberg für ein Ja beim Entscheid – also für einen Stopp des Ausbaus. Die Grünen, Die Linke, Politbande, Volt, ÖDP, Tierschutzpartei, Piraten und Humanisten sowie Die Guten stellen sich jetzt hinter die Bürgerinitiative, die den Bürgerentscheid zum Frankenschnellweg initiiert hat, und beteiligen sich gemeinsam an einer stadtweiten Informationskampagne.
Volt etwa bezweifelt, dass der Tunnel wirklich „kreuzungsfrei“ wird, und hält den Begriff „grüner Deckel“ für irreführend: Hunderte Bäume müssten weichen, der Tunneldeckel lasse keinen Bewuchs durch große Bäume zu, heißt es in einer Pressemitteilung.
Rückendeckung kommt vom Bund Naturschutz, der in eigenen – ausdrücklich überschlägigen – Berechnungen auf bis zu über 725.000 Tonnen CO2 für das Bauprojekt kommt. Klaus-Peter Murawski, Vorsitzender der BN-Kreisgruppe Nürnberg-Stadt und früherer Staatsminister in Baden-Württemberg, sagt: „Während Bürgerinnen und Bürger zum Energiesparen (…) aufgefordert werden, werden gleichzeitig Hunderttausende Tonnen CO2 in Beton, Stahl und zusätzlichen Autoverkehr investiert.“ In einem Schreiben erklärt er, dass der Tunnelbau potenziell mehrere Jahrzehnte kommunaler Klimaschutzbemühungen vernichten würde.
Wer ist dafür?

Das plant die Stadt
Die Stadt möchte den Frankenschnellweg (A73) in zwei Abschnitten ausbauen. Zwischen der Anschlussstelle Nürnberg/Fürth und der Jansenbrücke soll in Fahrtrichtung Hafen eine dritte Spur angebaut werden. Von der Rothenburger Straße bis zur Otto-Brenner-Brücke soll ein 1.800 Meter langer Tunnel gebaut werden, der eine kreuzungsfreie Durchfahrt ermöglicht. Oberhalb des Tunnels soll der Verteilerverkehr zu den einzelnen Stadtteilen fließen. Auf dem südlichen Tunneldeckel soll Platz für einen Stadtteilpark sein.
Die Stadtratsmehrheit aus CSU und SPD hält dagegen: In einem gemeinsamen Antrag erklären die Fraktionsvorsitzenden Daniel Frank und Michael Ziegler, warum sie beim Bürgerentscheid mit Nein stimmen werden – also für den Ausbau.










