Rund 1,3 Millionen Menschen waren wahlberechtigt, darunter erstmals 16- und 17-Jährige. Die Wahlbeteiligung liegt bei 78 bis 79 Prozent (70,8).
SPD und AfD sehen Regierungsauftrag jeweils bei sich
Sollten CDU und BSW am Ende tatsächlich nicht im Landtag sein, gäbe es eine Mehrheit für Rot-Rot-Grün. Schwesig – seit 2017 regierend und Hoffnungsträgerin ihrer Bundespartei – meldete denn auch trotz des zweiten Platzes ihren Anspruch auf das Amt der Regierungschefin an. Dies sei bislang die schwerste Landtagswahl gewesen, sagte sie weiter. „Was für eine Aufholjagd.“
Der Grünen-Bundesvorsitzende Felix Banaszak erwartet bereits, dass seine Partei „Teil der nächsten Landesregierung“ wird.
Die Regierung beansprucht aber auch die AfD: „Wir haben hier den Regierungsauftrag“, sagte Holm. Er kündigte an, alle Parteien einzuladen. Denn es gehe nicht um „irgendwelche Parteien und Pfründe“: „Es geht darum, dass wir unser Land wieder auf Vordermann bringen.“ Der bisherige Landtagsfraktionschef Enrico Schult sagte auf der AfD-Wahlparty: „Wir werden dieses Land verändern früher oder später.“ Und: „Wir werden auch regieren, liebe Freunde.“
Der Linken-Bundestagsabgeordnete Dietmar Bartsch wies diesen Anspruch zurück: „Die AfD wird hier nicht regieren, und das ist gut. Das ist ein großer Schritt für die Demokratie.“
Druck auf Merz wächst wieder
Das Landesergebnis dürfte in Berlin noch einmal den Druck erhöhen, der seit dem CDU-Fiasko in Sachsen-Anhalt auf Merz lastet. Er will trotzdem Kanzler bleiben und den eingeschlagenen Reformkurs von Schwarz-Rot fortsetzen. Die Diskussion über seine Person könnte nun dennoch wieder entbrennen und die Koalition belasten.
Zeitdruck bei Regierungsbildung
Für die Regierungsbildung in Schwerin bleibt nicht viel Zeit. Der neue Landtag muss laut Landesverfassung spätestens am 17. November mit der Mehrheit aller Abgeordneten einen Regierungschef wählen. Gelingt das nicht, kann eine Mehrheit der Abgeordneten bis 1. Dezember die Auflösung des Landtags beschließen und damit eine Neuwahl herbeiführen – oder es wird noch am selben Tag ein Regierungschef mit einfacher Mehrheit gewählt.
Für den nur zweiten Platz machte Schwesig auch die Haltung ihrer SPD zur Ukraine mitverantwortlich: Viele Menschen lehnten die Unterstützung für das angegriffene Land ab und wünschten sich wieder mehr billiges russisches Gas, das sei aber nicht Haltung der SPD, sagte sie.
Polarisierung zwischen AfD und SPD zerreibt die anderen
Der Wahlkampf war zuletzt stark polarisiert auf die alleinige Frage, wer gewinnt: SPD oder AfD. Die Rechtsaußenpartei warb auf Plakaten mit Holm als Ministerpräsident – die SPD mit Schwesig als „Die Frau gegen Blau“. Das brachte dem Nicht-AfD-Lager insgesamt aber kaum Zuwachs, nur eine Umverteilung von Stimmen hin zur SPD. Denn die anderen Parteien drangen mit ihren Themen immer weniger durch.