Brugnaro ist schwerreicher Unternehmer wie Gotthardt, beide engagierten sich in Wirtschaftsverbänden, beide besitzen sogar Sportteams: Gotthardt den Eishockeyclub Kölner Haie, Brugnaro das Basketball-Team Reyer Venezia Mestre. Während der parteilose Gotthardt die CDU unterstützte und sagt, dass „Nius“ einen Gegenpol zu der „nach links gedrifteten“ Mitte bilden soll, steht der Bürgermeister für Mitte-Rechts-Bündnisse und hat eine eigene Partei gegründet. „Berlusconi von Venedig“ oder „Lagunen-Trump“ wird er laut „NZZ“ in Venedig genannt.

Und Brugnaro versucht seit seiner Wahl 2015, das verfallende ikonische Klinikgelände möglichst glanzvoll wiederzubeleben, beklagte dabei Bedenken und Widerstände von Denkmal- und Naturschützern. Im September scheidet er aus dem Amt aus, während er als einer von mehreren Verdächtigen in einem Korruptionsverfahren um Immobilien geführt wird.

Gelände für mehr als 24 Millionen Euro erworben

Auf das Thema wird er nicht gerne angesprochen: „Sie sind der Abschaum Italiens“, sagte er im April 2023 einem Reporter der öffentlich-rechtlichen Sendeanstalt RAI. Es war bei einem Termin, bei dem Frank Gotthardt neben dem Bürgermeister saß: Die Idee des Mare Technoparks war gerade vorgestellt worden. Projektionen wurden an die Wand geworfen und es entstand ein Foto vom innigen Händeschütteln.

Im Jahr 2024 schlug Gotthardt zu: Er kaufte das Klinikgelände zu weiten Teilen. Verkäufer war die Cassa Depositi e Prestiti, ein Kreditinstitut überwiegend in staatlicher Hand, das hauptsächlich Vorhaben von öffentlichem Interesse finanziert. Käufer war die GT3 Lido Immobilare SRL, das Stammkapital von einer Million Euro bei der Gründung 2022 kam komplett von der Koblenzer GT3 Software und Beteiligung GmbH. Das ist ein Unternehmen, dessen einziger Gesellschafter Gotthardt ist. Die Schwestergesellschaft GT4 Software und Beteiligung GmbH finanziert die Gesellschaft Vius hinter „Nius“.

In italienischen Medienberichten findet sich ein Kaufpreis von gut 24 Millionen Euro für das verlassene Klinikgelände mit seinen 29 Gebäuden. Dazu passen Zahlen im Jahresabschluss der GT3 Lido Immobilare SRL. Das Vermögen an Sachanlagen steigt von 3,1 auf 29,5 Millionen Euro. Es gibt keine Auskunft, ob auch Restaurant oder Villa in Venedig von der Gesellschaft gekauft wurden.

Verfall: Seit 2003 steht das Gelände des Ospedale al Mare leer. (Quelle: US)

Ex-Minister leitet für Gotthardt das Projekt

Wenn es um das Projekt des KI-Zentrums für die Gesundheitsbranche in der früheren Vorzeigeklinik geht, tritt der Name der Lido-Immobilienfirma in den Hintergrund: Das Projekt tritt unter dem Namen Mare auf, im Impressum von mare.health steht die Lido-Immobilienfirma. „Managing Director“ des „Mare Technologieparks“ ist der Österreicher Gernot Blümel. Er war Finanzminister unter dem früheren österreichischen Kanzler und Reichelt Duz-Freund Sebastian Kurz – es ist nicht die einzige Verbindung zwischen dem Gotthardt-Imperium und dem Clan des Ex-Kanzlers.

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