Das Müller’sche Volksbad in München feiert in diesem Jahr 125-jähriges Bestehen. Ein Rundgang zeigt das historische Erbe – und eine exklusive Aussicht.

Wer dieser Tage das Müller’sche Volksbad in München besucht, sieht gleich: Hier wird renoviert. Davon zeugen die Baugerüste, die sich um das Gebäude winden. Das Bad feiert im Sommer seinen 125. Geburtstag, und zu diesem Anlass muss das historische Gebäude herausgeputzt werden. Zuletzt wurde das Kupferdach erneuert, nun ist die Fassade an der Reihe.

1901 eröffnet, blickt das Volksbad mit den berühmten Jugendstil-Elementen auf eine bewegte Geschichte zurück. So sollte es bereits im Jahr 1899 in Betrieb genommen werden – doch eine durch Starkregen und einen Dammbruch ausgelöste Flutwelle machten diese Pläne zunichte. Diese und weitere historische Details erfährt man bei einem Rundgang durch das älteste Schwimmbad der Stadt.

Der Name des Bads, das neben Sauna und Café auch eine Massage- und Therapiepraxis beherbergt, ist schnell erklärt. München wuchs gegen Ende des 19. Jahrhunderts rasant, Wohnungen mit Bädern waren jedoch kaum verbreitet. Also musste ein „Volksbad“ für die Münchner her – nicht nur zum Schwimmen, sondern auch für Körperpflege und zur Hygiene. Das war auch dem Namenspatron Kai Müller, einem wohlhabenden Bauingenieur, wichtig: Dank einer großzügigen, aber zweckgebundenen Spende war es der Stadt überhaupt erst möglich, das Volksbad zu bauen.

Das Thema Hygiene nahm man damals so ernst, dass sogar die Hände der wartenden Badegäste auf Schmutz überprüft wurden. Das Bad entwickelte sich rasch zu einem wichtigen Teil der öffentlichen Infrastruktur, und das ist es bis heute so. Die längste Schließung gab es etwa nicht während des Zweiten Weltkriegs oder in den Trümmerjahren der Nachkriegszeit – sondern während der Coronapandemie.

Innerhalb des 125-jährigen Geschichte seines Bestehens hat sich natürlich auch einiges im Volksbad geändert: Das Wasser kommt nicht mehr von Paulaner, das Hundebad im Keller existiert nicht mehr und auch die Werkswohnungen im dritten Stockwerk sind passé. Sie beherbergten zunächst Büros der Stadtwerke, mittlerweile ist hier eine Massagepraxis sowie ein Zentrum für Psychotherapie untergebracht. Lediglich im ehemaligen Wasserturm sind noch zwei Wohnungen erhalten geblieben: Hier wohnt der Haustechniker des Volksbads mit seinen zwei Katzen.

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