Moderator wird 70
Reinhold Beckmann über seine Kindheit: „Es wurde nicht geredet“
23.02.2026 – 15:16 UhrLesedauer: 2 Min.
Mit 70 Jahren wirft Reinhold Beckmann einen Blick zurück. Als Kind der Nachkriegszeit versteht er seinen Vater heute besser.
Reinhold Beckmanns Mutter Aenne verlor in den Jahren 1941 bis 1945 alle vier Brüder. Auch sein Vater Wilhelm diente im Zweiten Weltkrieg an der Front. Heute feiert der Sportmoderator seinen 70. Geburtstag. Im Laufe der Jahre entwickelte er ein besseres Verständnis für seine Familie.
Im Interview mit dem „Hamburger Abendblatt“ sprach Beckmann über seine Kindheit und auch über die vielen „verlorenen Seelen“ in dem Ort, in dem er lebte. „Es gab viele Alkoholiker damals, die nicht anders konnten, als ihren Seelenschmerz mit Hochprozentigem zu betäuben“, so der Autor. Sein Nachbar sei einer von ihnen gewesen. „Der stellte sich abends unter die Laterne und schimpfte wie ein Rohrspatz über die Politik, den Krieg und das Leben.“ Als Kind habe er vor diesen Menschen Angst gehabt.
Mit 70 Jahren sieht er das jedoch anders. „Man bekommt ein ganz anderes Verständnis für diese Zeit, die noch so vom Zweiten Weltkrieg und seinen Folgen geprägt war“, erklärte er rückblickend. Aufgearbeitet wurden traumatische Erlebnisse nicht. „Es wurde nicht geredet. Die Männer kamen aus der russischen Gefangenschaft und schwiegen beharrlich.“
Auch sein Vater habe nicht geredet. Erst im Alter habe er sich nach und nach geöffnet. „Irgendwann sagte er zu mir: ‚Hol’ deinen Kassettenrekorder, ich will dir jetzt mal etwas sagen.‘ Da war er schon knapp über 80. Und dann erzählte er mir plötzlich von seinem Lungendurchschuss, der ihn im Schützengraben an der Ostfront traf“, erinnerte sich Beckmann.
Die Verletzung entpuppte sich als Lebensretter. Danach verbrachte Beckmanns Vater ein Jahr im Sanatorium und kehrte nicht wieder an die Front zurück. „Was blieb, waren die Schreckträume. Ich kann mich noch gut daran erinnern, wenn er nachts aufschreckte, weil er glaubte, wieder im Schützengraben zu sein“, so Beckmann.
Im Februar 2012 verstarb sein Vater im Alter von 96 Jahren. Reinhold Beckmann will in seinem neuen Buch unter anderem von den Männern erzählen, „für die der Krieg nie aufgehört hat“.










