Merz sicherte der Ukraine die weitere Unterstützung Deutschlands auf dem Weg in die EU zu – ohne ein konkretes Zieldatum zu nennen. Er und Selenskyj wüssten, dass der Beitritt „nicht kurzfristig in vollem Umfang“ umgesetzt werden könne, sagte Merz. Aber der Beitritt der Ukraine „wäre ein strategisch wichtiger Schritt für mehr Sicherheit und für mehr Wohlstand in Europa“. Der Kanzler ermutige die Ukraine, die Reformen im Land noch stärker voranzutreiben, um die Beitrittschancen zu verbessern.

Selenskyj dankte Merz für die Unterstützung und betonte erneut den Wunsch nach einer Vollmitgliedschaft. „Wir brauchen weder eine EU light noch eine Nato light für uns.“ Auch die Europäische Union und die Nato brauchten die Ukraine als „vollwertigen Partner“. Selenskyj hatte den 1. Januar 2027 als Wunschdatum für einen Beitritt zur EU genannt, was von deutscher Seite für unrealistisch gehalten wird.

Zu den Erwartungen, die Merz an Selenskyj hat, zählt eine schnellere Rückkehr von nach Deutschland geflüchteten Ukrainern im wehrfähigen Alter. Darauf dringt der Kanzler seit langem, es gibt aber nur wenige Fortschritte. Auch bei der Reduzierung der Ausreisen junger Männer aus der Ukraine brauche man „schnelle spürbare Fortschritte“, betonte Merz. „Auch dies im Interesse beider Seiten.“

Selenskyj signalisierte die Bereitschaft, hier verstärkt tätig zu werden. „Unsere zuständigen Behörden oder die der jeweiligen Länder müssen sich mit dieser Frage befassen.“ Es gehe um Gerechtigkeit, da viele Soldaten an der Front auf Ablösung angewiesen seien. Jeder ukrainische Bürger im wehrfähigen Alter, der die Kraft dazu habe, habe eine verfassungsmäßige Pflicht, Verantwortung zu übernehmen.

Kiew hatte im vergangenen Sommer die Ausreise von jungen Männern im wehrfähigen Alter unter 23 Jahren wieder möglich gemacht. Auf der Basis von EU-Daten hatte der ukrainische Sozialminister Denys Uljutin kürzlich die Zahl der seit August 2025 ausgereisten jungen Männer zwischen 18 und 23 Jahren mit etwa 400.000 angegeben.

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