Jungstar übernimmt WM-Führung
Der Rekordmann lässt ein ganzes Land hoffen
Aktualisiert am 29.03.2026 – 11:01 UhrLesedauer: 4 Min.

Nach zwei Rennsiegen in Folge übernimmt Kimi Antonelli die WM-Führung. Dabei stand er vor wenigen Monaten noch am Scheideweg.
Jetzt ist der Rekord dann doch gefallen: Fast 20 Jahre lang war Lewis Hamilton der jüngste Fahrer der Formel-1-Geschichte, der jemals die WM-Wertung anführte. Mit seinem Sieg beim Großen Preis in Japan setzte sich nun Kimi Antonelli an die Spitze der Gesamtwertung und löste den heutigen Rekordweltmeister als Rekordmann ab.
Im Alter von 22 Jahren und 126 Tagen hatte sich Hamilton im Jahr 2007 die WM-Führung gesichert, Antonelli unterbot das mit seinen 19 Jahren und 216 Tagen deutlich. Der Triumph in Japan war für den Mercedes-Piloten nach dem Triumph in China vor zwei Wochen bereits der zweite in Folge. Damit ist Antonelli auch der erste Italiener seit Alberto Ascari 1953, der es schaffte, zwei Grand Prix nacheinander zu gewinnen.
Sein Heimatland bringt er mit seinen Leistungen zum Träumen. Die italienische Zeitung „Tuttosport“ titelte schon nach dem China-Triumph begeistert: „Nun heißt das Ziel: Angriff auf den Titel!“. Der Japan-Erfolg dürfte die Euphorie nur weiter anheizen. Plötzlich ist Antonelli Titelkandidat. Dabei standen hinter seiner Zukunft in der Formel 1 erst vor wenigen Monaten noch große Fragezeichen.
Nach dem Sieg in China zeichnete man bei Mercedes das Bild einer heilen Familie. Seit 2018 ist Antonelli im Juniorenteam des deutschen Rennstalls. Sky-Experte Ralf Schumacher bezeichnet Teamchef Toto Wolff deshalb sogar als „Ziehvater“ Antonellis. Wolff war es auch, der im vergangenen Jahr den damals erst 18-Jährigen bei Mercedes zum Nachfolger von Rekordweltmeister Lewis Hamilton machte – trotz zahlreicher Kritiker, die den Schritt für voreilig hielten.
„Ich habe dort eine Familie gefunden, die mich früh gefördert und mir die besten Bedingungen gegeben hat, mich zu entwickeln“, betonte auch Antonelli nach seinem Premierenerfolg. Doch ganz so heil war die Mercedes-Welt nicht immer, hätte „Ziehvater“ Wolff den jungen Antonelli in der vergangenen Saison doch fast zur Adoption freigegeben.
Im Sommer des vergangenen Jahres, seiner Debütsaison, war Antonelli seine Unerfahrenheit deutlich anzumerken. In den zehn Läufen zwischen seinen beiden Heimrennen in Imola und Monza legte er eine ziemlich desaströse Bilanz auf. Zwar holte er in Kanada das erste Podium seiner Karriere, doch kam Antonelli in gleich vier dieser Rennen gar nicht erst ins Ziel, wurde zweimal 16., einmal 18. und schaffte es zwei weitere Male mit einem zehnten und einem neunten Platz gerade so in die Top Ten. Für ein Topteam wie Mercedes nicht genug.