Die Kamera begleitet Donald Trumps Ehefrau durch Termine, Besprechungen und Vorbereitungen. Es geht um ihre Rolle, ihre Outfits, um Stoffe und Schnitte – aber auch um die Einrichtung im Weißen Haus. Je näher die Inauguration rückt, desto dichter wird der Ablauf. Und dennoch streut der Film immer wieder Momente ein, die den Menschen „Melania“ zeigen könnten, einen Kirchenbesuch, einen kurzen Rückblick auf die Familie, Gespräche im Auto. Jedes Mal weckt er die Erwartung, dass sich gleich tiefer geht als die Oberfläche, eine unerwartete Offenheit, eine Melania Trump jenseits der bekannten Bilder.

Stattdessen bekommt ihr Designer Pierre Hervé viel Bildschirmzeit. Die Kamera ist mit dabei, als er der First Lady ihr Kleid für die Amtseinführung präsentiert. Der französisch-amerikanische Kostümdesigner schildert, sie gebe klare Anweisungen, sie benutze „völlig anderes Vokabular“, wenn es um Mode geht.

An anderer Stelle folgen kurze Einblendungen von alten Familienfotos, auf denen Melania als Kind mit ihren Eltern zu sehen ist. Auch ihr Vater spricht kurz, es geht um den Tod ihrer Mutter, seiner Frau. Deren Todestag jährt sich in der Dokumentation, und Melania erzählt, was für eine große Rolle ihre Mutter in ihrem Leben gespielt hat. Es bleibt bei Floskeln. Selbst als sie in einer Kirche eine Kerze für sie anzündet, hält der Film Distanz: keine langen Nahaufnahmen, keinen verweilenden Blick auf ihr Gesicht, keine gezeigten Emotionen.

Auch der politische Mensch Melania Trump wird nur angerissen, seine Haltung und Gesten bleiben merkwürdig abstrakt, distanziert. Beim Treffen mit einer befreiten Hamas-Geisel aus Israel hält die Protagonistin viel Abstand auf dem Sofa. Melania Trump verspricht lediglich: Wenn ihr Ehemann erst einmal im Amt ist, werde sich alles ändern, alle Geiseln würden befreit werden.

Skizzen ersetzen Inhalte. Immer wieder verweist Melania auf ihr Programm „Be Best“, das sie in der zweiten Amtszeit fortführen möchte. Die 2018 von ihr ins Leben gerufene Initiative zielt auf das Wohlergehen von Kindern ab, konzentriert sich auf Online-Sicherheit und Cybermobbing, soziale und emotionale Gesundheit sowie den Kampf gegen Drogensucht. Der Film bleibt aber im Ungefähren. In einem Zoom-Gespräch mit Brigitte Macron geht es um Maßnahmen gegen Cybermobbing. Die französische First Lady erzählt stolz, dass ihr Land Kindern unter elf Jahren an Schulen die Handynutzung verboten hat. Im Zwischenschnitt schreibt Melania Trump den Satz so sorgfältig mit, dass man die Regieanweisung fast zu hören glaubt. Durch den Berliner Kinosaal hallt lautes Lachen. Mehr bleibt von diesem politischen Austausch nicht übrig.

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