Brief an Tschentscher
Hamburger Firma kämpft gegen Abschiebung von Mitarbeiter
27.05.2026 – 12:15 UhrLesedauer: 2 Min.

Fouad A. ist in Hamburg geboren und arbeitet in Vollzeit. Trotzdem droht ihm die Abschiebung. Sein Arbeitgeber wendet sich deshalb ans Rathaus.
Fouad A. steht jeden Morgen um 6.45 Uhr bei der Hamburger Firma Nordwärme auf der Matte. Er ist in Hamburg geboren, hat hier seine Ausbildung gemacht, zwei Kinder bekommen und jahrzehntelang gearbeitet. Trotzdem sollte der 49-Jährige Deutschland verlassen.
Das Unternehmen wandte sich deshalb mit einem Hilferuf direkt an Bürgermeister Peter Tschentscher. In einem Schreiben vom 12. Mai bat Nordwärme-Geschäftsführer David Burckhardt den Senat um Unterstützung. Nach mehreren Eingaben und Widersprüchen habe die Firma keinen anderen Ausweg mehr gesehen.
„Als wir den Bescheid mit der Abschiebungsandrohung sahen, waren wir im Team völlig fassungslos“, sagt Burckhardt der Hamburg-Redaktion von t-online. Fouad A. sei ein „großartiger Kollege“ und fest im Unternehmen verankert. Dass „starre Paragraphen“ ein solches Leben gefährden könnten, habe das Team schockiert.
Aufenthalt in Marokko wurde zum Problem
Burckhardt beschreibt seinen Mitarbeiter in dem Brief an den Bürgermeister als „Hamburger Jung, wie er im Buche steht“. Der 49-Jährige sei in Hamburg geboren, hier aufgewachsen, zur Schule gegangen und habe eine Berufsausbildung abgeschlossen. Heute arbeitet er in Vollzeit für das Unternehmen.
Nach Angaben des Unternehmens erhielt Fouad A. trotz seiner Geburt in Hamburg nie die deutsche Staatsbürgerschaft. Bei der Einbürgerung seiner Familie im Jahr 1996 sei er nicht berücksichtigt worden, weil er kurz zuvor volljährig geworden war. Ein eigener Antrag sei damals abgelehnt worden, weil er als Berufsschüler nicht über ausreichend Einkommen verfügt habe.
Nach Darstellung des Unternehmens spielte später ein mehrjähriger Aufenthalt in Marokko bei der Entscheidung der Ausländerbehörde eine zentrale Rolle. In dem Schreiben heißt es, Fouad A. habe dadurch „das Band der Integration mit der Bundesrepublik Deutschland“ durchtrennt. Zeitweise sei ihm sogar das Arbeiten untersagt worden.
Außerdem habe die Behörde Nachweise zu Deutschkenntnissen auf A2-Niveau und zum Integrationskurs „Leben in Deutschland“ verlangt. Geschäftsführer Burckhardt kritisierte das als nicht nachvollziehbar. Sein Mitarbeiter spreche muttersprachlich Deutsch und arbeite seit Jahren in Hamburg.
Unternehmen verweist auf familiäre Situation
In seinem Brief verweist Burckhardt zudem auf die familiäre Situation: Fouad A. unterstützt seine schwer geistig und körperlich behinderte Schwester, die als deutsche Staatsbürgerin in Hamburg lebt.