Klingbeil im ARD-„Sommerinterview“
„Ihr müsst euch nicht krank zum Arzt schleppen“
05.07.2026 – 23:09 UhrLesedauer: 3 Min.
Im ARD-„Sommerinterview“ verteidigte Vizekanzler Klingbeil das Reformpaket. Bei der kontroversen Neuerung zur Krankschreibung ließ er durchblicken: seine Idee war das nicht.
Zum Auftakt der ARD-„Sommerinterviews“ musste sich Vizekanzler und Finanzminister Lars Klingbeil gegen den Vorwurf verteidigen, die Koalition habe vor allem ein Reformpaket für die Wirtschaft geschnürt. „Genosse der Bosse“ – so stellte es Moderator Matthias Deiß in den Raum. Klingbeil wies das zurück und verwies auf Maßnahmen für Arbeitnehmer.
Der Gast:
- Lars Klingbeil (SPD), Vizekanzler, Finanzminister und Parteivorsitzender
Bei der Krankschreibung ab dem ersten Tag wurde Klingbeil deutlich: „Ihr müsst euch nicht krank zum Arzt schleppen.“ Die Bescheinigung solle zwar ab dem ersten Tag gelten, aber nicht am ersten Tag geholt werden müssen. Auch tarifliche oder betriebliche Sonderregelungen sollten möglich sein.
Ob er das Misstrauen gegenüber Arbeitnehmern teile, das hinter der Regelung stecke? „Ich habe das nicht“, sagte Klingbeil. Die Union habe ursprünglich unbezahlte Karenztage gefordert. „Da haben wir Sozialdemokraten gesagt, das machen wir nicht mit.“ Auf die Frage, wessen Idee die jetzige Regelung gewesen sei, antwortete er ausweichend: „Das ist ein Vorschlag der Koalition.“ Deiß kommentierte: „Ich glaube, zwischen den Zeilen habe ich erfahren, dass es Ihre Idee schon mal nicht war.“ Klingbeil darauf: „Das ist jetzt Ihre journalistische Interpretation.“
- Tabaksteuer: Wirtschaft nennt Klingbeils Milliarden-Plan „Blindflug“
- Beschlüsse: Das steht im Reformpaket von Schwarz-Rot
Steuerentlastung: „Das gleicht das nicht aus“
Klingbeil machte keinen Hehl daraus, dass er bei der Steuerreform mehr wollte. Für eine vierköpfige Familie mit 67.000 Euro Einkommen bedeute die Reform rund 632 Euro Entlastung im Jahr. „Für die sind 600 Euro im Jahr nicht nichts.“
Doch Deiß hakte nach: Das Institut der deutschen Wirtschaft habe ausgerechnet, dass allein die steigenden Rentenbeiträge diese Entlastung mehr als halbieren würden. Dazu kämen neue Belastungen durch Kapitalrente und höhere Verbrauchsteuern.
Klingbeil räumte ein: „Das gleicht das nicht aus.“ Aber Nichtstun sei keine Option. „Das Schlimmste für unser Land wäre, wenn die sozialen Sicherungssysteme völlig aus dem Ruder laufen.“
Haushalt: „34 Milliarden Lücke weg“
Zum Haushalt 2027 sagte Klingbeil, er habe eine Lücke von 34 Milliarden Euro geschlossen. „Das ist schon eine Leistung. Denken Sie daran, die letzte Bundesregierung ist zerbrochen wegen deutlich weniger Geld.“ Die Ampel war im November 2024 an einer Lücke von rund 17 Milliarden Euro gescheitert.









