Richter findet klare Worte in Urteil

Serienvergewaltiger sprach von „abgöttischer Liebe“


14.04.2026 – 16:46 UhrLesedauer: 4 Min.

Der Angeklagte vor Gericht: Der Mann sedierte seine Freundin mehrfach mit schweren Betäubungsmedikamenten und vergewaltigte sie. (Quelle: Malin Wunderlich/dpa)

„Pelicot ist kein Einzelfall“, sagt der Richter – und verurteilt in München einen Studenten zu langer Haft. Ermittler gehen noch von mehr Fällen in Deutschland aus. Sie haben ein ganzes Netzwerk im Visier.

Das Landgericht München I hat am Dienstag einen 28 Jahre alten Studenten aus China zu elf Jahren und drei Monaten Haft verurteilt. Der Mann hatte in dem Prozess gegen ihn zugegeben, seine Freundin über Monate hinweg immer wieder mit schweren Narkosemitteln betäubt, brutal vergewaltigt und dabei gefilmt zu haben – teilweise stundenlang.

„Es war in allen Fällen großes Glück, dass die Geschädigte nicht gestorben ist“, sagte der Vorsitzende Richter Markus Koppenleitner am Dienstag. Das Urteil erging unter anderem wegen versuchten Mordes, besonders schwerer Vergewaltigung und Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereichs durch Bildaufnahmen. Das Gericht verhängte außerdem den Vorbehalt der Sicherungsverwahrung.

Auf den vom Täter angefertigten Videos ist laut Ermittlern zu sehen, wie der Mann immer wieder Medikamente nachspritzt oder seinem Opfer Tücher mit Betäubungsmitteln ins Gesicht drückt, um sicherzugehen, dass die Frau während der Vergewaltigungen nicht aufwacht. Die Videos wurden vor Gericht unter Ausschluss der Öffentlichkeit gezeigt. Auf ihnen soll auch zu sehen sein, wie der Täter der bewusstlosen Frau Socken in den Mund stopfte und ihr Gegenstände einführte. Selbst hart gesottene Ermittler hätten die Videos als „das Schlimmste“ bezeichnet, das sie je gesehen haben, sagte der Richter.

Die Videos hatte der heute 28-Jährige anderen Männern in Telegram-Chats vorgeführt. Für die Verlesung der Anklage brauchte die Staatsanwaltschaft Anfang Februar 45 Minuten, so umfangreich waren die Vorwürfe.

Die darin geschilderten Taten nannte der Vorsitzende Richter nun „monströs“, sie seien „menschen- und frauenverachtend“ gewesen. Der Täter selbst hatte vor Gericht behauptet, kein Frauenhasser zu sein. Er finde „schlafende Frauen sehr schön“, hatte er einem Gutachter erzählt. Schon vor Jahren habe er deswegen angefangen, sich über Betäubungsmöglichkeiten zu informieren. Die Beziehung zu dem 1997 geborenen Opfer sei „wie zu einer Tochter“ gewesen, er habe die junge Frau „abgöttisch geliebt“.

Auch wenn der Angeklagte geständig gewesen sei, habe er „versucht, die Taten zu bagatellisieren“, erklärte der Richter jetzt dazu. Die ehemalige Partnerin des Angeklagten, die auch seine Nachbarin war, erfuhr von den Vergewaltigungen erst durch die Festnahme ihres Freundes. Selbst vor Gericht habe sie noch nicht glauben können, was ihr Partner ihr angetan hat, sagte Richter Koppenleitner.

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