Nach 120 Jahren
Kult-Friseur der Beatles auf dem Kiez macht dicht
23.07.2026 – 07:13 UhrLesedauer: 3 Min.
Im „Salon Harry“ saßen die Beatles, Rotlichtgrößen und andere Kiezlegenden. Nun endet die Geschichte des Friseurladens gegenüber der Davidwache.
Seit 1906 wurden in der Davidstraße 23 Haare geschnitten. Nun ist damit Schluss: Der traditionsreiche „Salon Harry“ auf St. Pauli hat seinen Betrieb eingestellt. Bis Ende Juli müssen die Betreiber Franz Stenzel und Ute Bickeleit den Laden vollständig räumen.
Für beide endet damit ein großer Teil ihres Lebens. Stenzel arbeitete nach Angaben der „Bild“ seit 1978 in dem Salon und übernahm ihn zehn Jahre später von Namensgeber Harry Woldert. Bickeleit kam 1984 dazu. Die beiden wurden ein Paar, führten den Salon gemeinsam und haben eine inzwischen erwachsene Tochter.
Keine Lösung für den Kult-Salon
Die Entscheidung fiel kurzfristig. Schon seit längerer Zeit habe kein fester Mietvertrag mehr bestanden, sagte Bickeleit der Deutschen Presse-Agentur. Bislang hätten sich die Betreiber und der Vermieter jedoch immer wieder auf Verlängerungen verständigt. Dieses Mal kam keine neue Vereinbarung zustande.
Eine Übergabe an einen Nachfolger sei deshalb nicht möglich gewesen. „Wir haben viel geweint“, sagte Bickeleit der dpa. Auch viele Stammkunden hätten emotional reagiert. Laut „Bild“ klingelt selbst während der Räumung noch regelmäßig das Telefon, weil Kunden einen Termin vereinbaren wollen.
Nun müssen schwere Friseursessel, Spiegel, Marmortische und Lampen aus dem Laden verschwinden. Ein Teil der Einrichtung soll entsorgt werden. Besonders wehmütig stimmt die Betreiber die Mahagoni-Ausstattung, die seit 1974 das Bild des Salons prägt.
Auf diesen Sesseln sollen die Beatles gesessen haben
Einige Stücke wollen Stenzel und Bickeleit jedoch retten. Im Keller stehen noch alte, blau gepolsterte Friseurstühle. Auf ihnen sollen Ende 1961 die Beatles Platz genommen haben.
Unter einem Sitzpolster befindet sich eine handschriftliche Notiz von Horst Fascher, dem Mitgründer des Hamburger Star-Clubs. Darin erinnert er daran, gemeinsam mit den Beatles für deren berühmten Haarschnitt in dem Salon gewesen zu sein.
Nach der im Laden überlieferten Geschichte hatte die Fotografin Astrid Kirchherr zuvor selbst zur Schere gegriffen. Die Musiker aus Liverpool trugen damals noch Frisuren im Stil von Elvis Presley. Das Ergebnis sei jedoch schief geraten. Fascher habe die Band daraufhin zu Harry gebracht, der den Schnitt korrigiert habe.
Ganz eindeutig ist die Entstehungsgeschichte der Pilzköpfe allerdings nicht. Wie „Bild“ berichtet, nannte John Lennon später Kirchherrs damaligen Freund Jürgen Vollmer als Vorbild für die Frisur.
Einen der historischen Sessel wollen Stenzel und Bickeleit laut „Bild“ zur ZDF-Sendung „Bares für Rares“ bringen. Für alle Erinnerungsstücke sei bei ihnen zu Hause kein Platz.
