Russland-Experte bei „Lanz“

„Jetzt ist der Krieg nach Moskau gekommen“


28.05.2026 – 02:04 UhrLesedauer: 3 Min.

Andrey Gurkov bei einer Lesung. Er sieht Putin unter Druck. (Archivbild) (Quelle: Rainer Raffalski/imago)

Bei „Markus Lanz“ verteidigte Jan van Aken Enteignungen von Wohnkonzernen – und warf dem Westen vor, Russlands Krieg mitfinanziert zu haben.

Waffenlieferungen oder Sanktionen? Bei „Markus Lanz“ debattierten Linkenchef Jan van Aken und Militärhistoriker Sönke Neitzel über den richtigen Umgang mit Russland. Der Publizist Andrey Gurkov schilderte derweil, wie der Krieg tief nach Russland hinein reiche. Zuvor wurde der Machtkampf in der CDU debattiert – Helene Bubrowski attestierte Kanzler Merz, er habe „die Nerven verloren“.

Die Gäste

  • Jan van Aken, Parteivorsitzender der Linken
  • Sönke Neitzel, Militärhistoriker
  • Andrey Gurkov, Publizist
  • Helene Bubrowski, Journalistin (Table Media)

„Friedrich Merz hat, man kann es, glaube ich, so sagen, die Nerven verloren“, sagte Bubrowski über die Reaktion des Kanzlers auf Spekulationen um Hendrik Wüst als möglichen Nachfolger. Merz habe Wüsts Umfeld vorgeworfen, „mit den Mitteln der AfD zu arbeiten“. Auch van Aken kritisierte: „So darauf zu reagieren, ist sowas von unprofessionell.“ Nach einem Jahr im Amt habe er zum ersten Mal gedacht: „Der lernt es nicht.“

Dann dominierte der russische Angriffskrieg die Diskussion. Jan van Aken verteidigte die ablehnende Haltung seiner Partei zu Waffenlieferungen und argumentierte für frühere und härtere Sanktionen.

„Wir haben die Kriegskasse Russlands gefüllt“, sagte van Aken mit Blick auf die Energieimporte Europas nach Kriegsbeginn. Ein sofortiges Ölembargo im Frühjahr 2022 hätte aus seiner Sicht die „Kosten-Nutzen-Rechnung“ im Kreml verändert. „Vielleicht hätten wir da schon eine Friedenslösung gehabt. Nach zwei Monaten des Krieges.“

Auf die Frage, wo die Ukraine ohne westliche Waffen heute wäre, antwortete van Aken: „Wenn wir nichts anderes gemacht hätten? Katastrophe.“ Aber mit einem sofortigen Embargo hätte sich alles anders entwickeln können.

Neitzel: „Ohne Waffen gäbe es die Ukraine nicht mehr“

Sönke Neitzel widersprach deutlich. „Wenn wir keine Waffen geliefert hätten, würde es die Ukraine nicht mehr geben“, sagte der Militärhistoriker. Putin hätte „auf jeden Fall sechs Monate, sieben Monate Krieg führen können“. Zwar könne man fragen, ob frühere Sanktionen Wirkung gezeigt hätten – „aber wir haben den Zugang zu Putins Kopf nicht“.

Auch Andrey Gurkov bezweifelte, dass ein frühes Embargo Putin gestoppt hätte. Die Vorstellung, man hätte den russischen Präsidenten wenige Tage nach Kriegsbeginn zum Einlenken bewegen können, sei „illusorisch“. Gleichzeitig betonte er die Wirkung westlicher Sanktionen – allerdings „zusammen mit den Waffen“.

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