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Home » Krankschreibung ab Tag eins: Attestpflicht-Plan wackelt jetzt schon
Politik

Krankschreibung ab Tag eins: Attestpflicht-Plan wackelt jetzt schon

MitarbeiterBy MitarbeiterJuli 3, 2026
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Krankschreibung ab Tag eins: Attestpflicht-Plan wackelt jetzt schon

Ob das durch die Regelung gelingt? Jochen Pimpertz, Gesundheitsökonom beim arbeitgebernahen Institut der deutschen Wirtschaft, sagt t-online: „Inwieweit sich damit die hohen Krankenstände reduzieren lassen, können wir derzeit kaum schätzen. Über kurzzeitig Erkrankte werden zu wenig Daten erfasst.“ Und er sagt auch: „Für das überwiegende Gros der Belegschaften wird sich substanziell nichts ändern. Die Arbeitgeber bleiben gut beraten, auch künftig kulante Regelungen für ihre Angestellten zu finden.“

Zahl der Krankentage ist tatsächlich gestiegen

In der Tat ist die Zahl der Krankentage in Deutschland in den vergangenen Jahren gestiegen. Laut Statistischem Bundesamt waren die Deutschen 2024 im Schnitt 14,8 Tage krankgeschrieben, was gegenüber 2021 3,6 Krankheitstage mehr sind. Im europäischen Vergleich liegt Deutschland laut OECD im oberen Mittelfeld.

Das Statistische Bundesamt erklärt die Steigerung jedoch selbst unter anderem damit, dass 2022 die elektronische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung eingeführt worden ist. „Diese führt zu einer vollständigeren Erfassung der Arbeitsunfähigkeit“, schreiben die bundesamtlichen Statistiker. Vorher, so die Einschätzung auch anderer Fachleute, erreichten die Papierscheine die Krankenkassen oft nicht, weil sie schlicht nicht hingeschickt worden sind.

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Bärbel Bas (SPD): „Wir werden schauen, ob das wirklich überhaupt eine Wirkung erzeugt oder eher zu Schwierigkeiten führt.“ (Quelle: Michael Kappeler/dpa)

Die Bedeutung dieses „Meldeeffekts“ betont auch eine Analyse des Barmer Institut für Gesundheitssystemforschung, die derzeit unter Sozialdemokraten herumgereicht wird. Dort wird eine weitere, naheliegende Erklärung für die zahlreicheren Krankentage angeführt: Corona-Infektionen und andere Atemwegserkrankungen.

Die Barmer-Studie kursiert aber auch deshalb in der SPD, weil sie die Bedeutung der telefonischen Krankschreibung „mit einem Anteil von jährlich 0,8 bis 1,2 Prozent an allen Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen“ für die Entwicklung als „sehr gering“ einschätzt. In der Union wird hingegen darauf verwiesen, dass es eben Missbrauch gebe und die Größenordnung im Zweifel egal sei.

SPD-Chefin Bas: „War jetzt nicht mein Vorschlag“

Es verwundert deshalb nicht, dass es in der SPD nun erste Absetzungsbewegungen gibt, auch bei denen, die es im Koalitionsausschuss selbst mit beschlossen haben. So sagte SPD-Chefin und Arbeitsministerin Bärbel Bas RTL: „Das war jetzt nicht mein Vorschlag.“ Und kündigte an: „Wir werden schauen, ob das wirklich überhaupt eine Wirkung erzeugt oder eher zu Schwierigkeiten führt.“ Über mögliche Ausnahmen werde nun das Gesetzgebungsverfahren entscheiden.

SPD-Chef und Vizekanzler Klingbeil ging im Gespräch mit RTL/ntv in eine ähnliche Richtung. „Das müssen wir jetzt vernünftig gestalten, was da im Koalitionsausschuss vorgeschlagen wurde.“ Er verwies auf Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU), die gesagt habe, dass man das Ganze so hinbekommen müsse, dass niemand, der krank sei, dann wirklich zum Arzt gehen müsse.

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