Ist die kölsche Karnevalsmusik in den letzten Jahren elektronischer und partylastiger geworden, um erfolgreicher zu sein?
Auf jeden Fall, gerade auch weil die Karnevalssongs immer mehr auch auf Mallorca gespielt werden. Da ist „Rakete“ von Mätropolis ein gutes Beispiel, bei dem die Version mit DJ Aaron noch einmal besonders populär geworden ist. Aber es gibt in jedem Jahr auch viele kölsche Lieder, die von den Jecken gefeiert werden.
Aber mit der „Karnevalsmaus“ wolltet ihr doch nicht nur die Jecken in den Veedelskneipen ansprechen?
Der Song ist zwar auf Hochdeutsch, aber wenn man sich die Produktion anschaut: Da ist eigentlich überhaupt keine Elektronik oder fette Beats drin. Wenn wir die „Karnevalsmaus“ auf der Bühne spielen, klingt sie mehr oder weniger wie die Studioversion – das war uns wichtig und freut uns sehr, dass man heutzutage auch mit einem richtigen Bandsound noch so erfolgreich sein kann.
Haben die Chart-Platzierungen und der Hype in den Sozialen Medien auch die Buchungsanfragen während des Sitzungskarnevals befeuert?
Viel Platz in unserem Kalender war auch schon vor der „Karnevalsmaus“ nicht mehr, aber unsere Agentur versucht noch hineinzupacken, was eben noch geht. So sind wir noch recht spontan in die „Lachende Kölnarena“ gerutscht: Im Januar haben wir da jetzt fünfmal gespielt – dort mal aufzutreten, war ein absoluter Traum von uns. Wir erleben gerade den absoluten Wahnsinn: Allein, wie viele Leute bei unseren Auftritten, als „Karnevalsmaus“ verkleidet sind, ist wirklich verrückt. Vielleicht wird das auch das Trend-Kostüm an Weiberfastnacht – Mitarbeiter von Deiters haben uns gesagt, dass die Nachfrage nach Mauseohren in Köln sehr, sehr groß ist.
Keine Angst, als One-Hit-Wonder in die Karnevalsgeschichte einzugehen?
Wenn es nie wieder so einen Song gibt, der beim Publikum so ankommt, dann würde ich die aktuelle Zeit als ein unfassbares Jahr betrachten, das ich sehr genossen habe und wofür ich dankbar bin. So ein Erfolg mit Anfang 30 ist nicht selbstverständlich. Und wenn es doch so kommt, dann können gerne alle anderen sagen: „Druckluft ist ein One-Hit-Wonder“ – geschenkt. Ich finde: lieber einmal One-Hit-Wonder als keinmal.
Der Kölner Oberbürgermeister Torsten Burmester hatte zuletzt vor der „Ballermannisierung“ Kölns gewarnt. Immer wieder wird auch von anderen eine Verrohung im Karneval beklagt. Zu Recht?
