„Wie die Reise zum Mars“
Unabhängig von den Transfers im kommenden Sommer geht Elversberg als Abstiegskandidat Nummer eins ins Rennen. Das sieht wohl auch Vincent Wagner selbst so. „Mit Elversberg den Klassenerhalt zu schaffen, ist wie die Reise zum Mars. Das hat noch keine Person geschafft, das wird nun die Aufgabe.“
Aber nicht nur Kader, Trainerteam und Funktionäre sind eher „klein“, in nahezu jeglicher Hinsicht sieht Elversberg nicht wie ein Bundesligist aus. Die Ursapharm-Arena an der Kaiserlinde, das Stadion der Saarländer, ist eine Baustelle. Aktuell passen knapp 10.000 Menschen auf die Tribünen, die Gegengerade fehlt seit Monaten komplett. Bis Frühjahr 2027 soll das Stadion fertig ausgebaut sein, wird dann aber auch „nur“ 15.000 Plätze haben. Es wäre die kleinste Arena im Fußball-Oberhaus.
Mit den 15.000 Plätzen würde übrigens die komplette Gemeinde Spiesen-Elversberg ins Stadion passen. Etwas weniger als 13.000 Menschen wohnen hier. Damit ist die Gemeinde der kleinste Spielort in der Bundesliga. Zwar ist die Namensheimat der TSG Hoffenheim kleiner, gespielt wird aber in Sinsheim (37.000 Menschen). Zudem hat Sinsheim Elversberg etwas voraus. Denn dort gibt es einen Bahnhof, die Anreise zu Spielen gegen die TSG ist einfach. Nicht so in Elversberg.
Gästefans aus der 2. Bundesliga wissen, wie kompliziert eine Reise an die Kaiserlinde sein kann. Daher gibt es an Spieltagen einen Shuttleservice aus den in der Nähe liegenden Orten Neunkirchen und St. Ingbert. Zudem gibt es rund ums Stadion nur wenige Parkplätze, und auch das Parken in angrenzenden Straßen in den Wohngebieten ist untersagt.
Trainer Vincent Wagner sagte zuletzt: „Für uns ist 2. Liga ja schon zu groß.“ Jetzt kommen statt Dresden, Magdeburg und Bochum aber Bayern, Dortmund und Stuttgart ins Saarland. In die Bundesliga werde das Team „reinwachsen müssen“, betonte Wagner. Die um 20 Millionen Euro höheren Fernsehgelder seien zwar „ein Riesenstep für den Verein“, mit anderen Aufsteigern wie Köln und dem HSV im Vorjahr will sich Elversberg aber nicht vergleichen.
Der 1. FC Köln gab im vergangenen Sommer fast 25 Millionen Euro aus, der HSV holte Stars wie Luka Vušković oder Fábio Vieira. „So Leute kommen ja niemals nach Elversberg. Die gehen halt zu geilen Vereinen – wie Edin Džeko zu Schalke“, sagte Trainer Wagner. Die Neuzugänge der Saarländer werden aus einem unteren Regal kommen. Ob das für den Klassenerhalt reicht, wird sich zeigen. Sicher ist aber schon jetzt: Einen Bundesligisten wie die SV Elversberg hat es lange nicht gegeben.
