Italienische Staatsanwälte untersuchen das Verschwinden von fast 2.500 Flugzeugkomponenten für Militärflugzeuge im Wert von schätzungsweise 17 Millionen Euro aus Lagern der Luftwaffe in Brindisi.
Zu den fehlenden Teilen gehören laut italienischen Medienberichten elektronische Module und Systeme für die Jagdbomber Panavia Tornado und AMX sowie das Transportflugzeug Lockheed C-130 Hercules.
Die Staatsanwaltschaft von Rom und die Militärstaatsanwaltschaft haben rund ein Dutzend Personen wegen mutmaßlicher Unterschlagung in ein Register der Verdächtigen eingetragen, darunter hochrangige Logistikmanager der Luftwaffe, Generäle und Führungskräfte der externen Firma, die mit der Aufbewahrung der Materialien im Brindisi-Depot beauftragt wurde.
Bei den Teilen handelt es sich nicht um gewöhnliche Ersatzteile, sondern um kritische Avioniksysteme, die für den sicheren Betrieb von Militärflugzeugen erforderlich sind. Normalerweise können sie über Militärregister, Inventarcodes und NATO-Protokolle zurückverfolgt werden.
Die Ermittler untersuchen nun, wie Komponenten, die strengen Nachverfolgungsverfahren unterliegen, aus offiziellen Aufzeichnungen verschwinden könnten, bevor sie physisch aus den Lagern entfernt werden.
Ein zentrales Element der Untersuchung ist die „Out-of-Use“-Zertifizierung für bestimmte Teile, nachdem diese aus den Lagern verschwunden sind. Würden Teile, die noch funktionsfähig waren, erst nachträglich als verschlissen deklariert, deutete dies auf einen organisierten Versuch hin, ihre offizielle Rückverfolgbarkeit zu unterbinden, so die Ermittler.
Nach Brasilien geflogen?
Eine unbestätigte Untersuchung deutet darauf hin, dass die Teile möglicherweise nach Südamerika, insbesondere nach Brasilien, umgeleitet wurden, wo einige dieser Flugzeugtypen im Einsatz sind, berichtete Repubblica.
Der AMX wurde in italienisch-brasilianischer Zusammenarbeit entwickelt und wird von der brasilianischen Luftwaffe eingesetzt.
Die Untersuchung untersucht, ob zertifizierte Teile wieder in internationale Nachfragekreise eingeführt wurden, wo Originalersatzteile für alternde Flugzeugmodelle aufgrund eingestellter Produktionslinien immer schwieriger zu bekommen sind.
Es gibt legitime Sekundärmärkte für Militärflugzeugteile, einschließlich Überschuss- und Tauschmärkte zwischen alliierten Ländern. Allerdings unterliegen diese strengen Regeln, um zu verhindern, dass kritische Komponenten in unbefugte Parallelschaltungen gelangen.
Die Kannibalisierung von Flugzeugen, um andere Plattformen betriebsbereit zu halten, ist ebenfalls legitim, wenn sie innerhalb der Protokollgrenzen erfolgt, erfordert jedoch eine rechtzeitige Dokumentation, technische Überwachung und klare Verantwortlichkeiten.
Mittlerweile hat die italienische Justiz ein technisches Beratungsunternehmen damit beauftragt, den tatsächlichen Verschleißzustand der Teile zu ermitteln und festzustellen, ob diese zur Verschrottung vorgesehen waren oder voll gebrauchsfähig blieben.
Die italienische Luftwaffe teilte mit, sie habe eine interne technische Untersuchungskommission eingesetzt. Weitere Einzelheiten machten die Behörden nicht bekannt, da die Ermittlungen noch andauern.










