Auftritt von Israel

Der ESC kämpft um seine Glaubwürdigkeit


11.05.2026 – 16:31 UhrLesedauer: 5 Min.

Die israelische Sängerin Yuval Raphael: Ihre Teilnahme am Eurovision Song Contest rief im vergangenen Jahr laute Proteste hervor. (Quelle: IMAGO/Sander Koning)

Erneut gibt es große Diskussionen um die israelische Teilnahme am Eurovision Song Contest. Die Europäische Rundfunkunion steckt in einer Zwickmühle.

Tobias Schibilla berichtet aus Wien.

Es war vermutlich die am schnellsten getroffene Entscheidung in der Geschichte der Europäischen Rundfunkunion (EBU): Am 25. Februar 2022, also genau einen Tag nach Beginn des russischen Einmarschs in die Ukraine, schloss die EBU Russland vom Eurovision Song Contest aus. Zunächst zierte sich die EBU zwar unter Verweis auf den eigentlich unpolitischen Charakter des Wettbewerbs gegen den Ausschluss, schwenkte dann allerdings auf massiven Druck der anderen Mitgliedstaaten um.

Seit der Disqualifikation Russlands war die Frage, welche Länder unter welchen Umständen vom ESC ausgeschlossen werden dürfen, häufig ein Streitthema. Im Mittelpunkt: Israel.

ESC: Russlands Kandidatin durfte nicht nach Kiew reisen

Das Spannungsverhältnis zwischen Russland und dem größten Musikwettbewerb der Welt bestand allerdings schon vor Beginn des Angriffskrieges, nämlich seit der russischen Annexion der ukrainischen Halbinsel Krim im Jahr 2014. Beim ESC 2017 in Kiew durfte die russische Kandidatin Julia Samoilowa nicht einreisen, weil sie zuvor auf der Krim aufgetreten und damit gegen ukrainisches Recht verstoßen hatte.

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Die EBU verurteilte das Einreiseverbot als unvereinbar mit dem unpolitischen Anspruch des Wettbewerbs, konnte es aber nicht verhindern. Russland zog seinen Beitrag zurück und nahm damit zum dritten Mal seit seiner ESC-Premiere im Jahr 1994 nicht am Wettbewerb teil.

Europäische Länder drohten mit Boykott

Im Jahr 2022 folgte dann der Beginn der Invasion, auf den die EBU unter Druck der anderen Mitglieder schnell reagierte: Sender aus Skandinavien, den Niederlanden und dem Baltikum drohten mit Rückzug, falls Russland starten sollte.

Russlands EBU-Mitglieder Channel One, VGTRK und das Radiozentrum Ostankino wurden suspendiert und traten kurz darauf aus der Europäischen Rundfunkunion aus. Die Suspendierung begründete die EBU damals damit, dass die russischen Sender „sehr eng mit der russischen Regierung verbunden“ seien und „anhaltend gegen Mitgliedspflichten sowie die Werte des öffentlich-rechtlichen Rundfunks verstoßen“ hätten.

Israel beim ESC: Viel Geschichte, viel Protest

Israel nimmt schon seit 1973 am größten Musikwettbewerb der Welt teil und gewann den ESC viermal. Schon nach Israels jüngstem Sieg im Jahr 2018 zeigte sich, wie politisch aufgeladen der Wettbewerb mittlerweile ist. Beim Wettbewerb, der im Folgejahr in Tel Aviv stattfand, zeigte die isländische Band Hatari palästinensische Flaggen und wurde dafür in der Halle ausgepfiffen.

Die isländische Band Hatari beim ESC 2019 in Tel Aviv.
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