100 Tage Abgeschiedenheit

Große Isolationsstudie in Köln gestartet


28.04.2026 – 13:36 UhrLesedauer: 2 Min.

Die Teilnehmer von Solis100: Für 100 Tage sind die Probanden von der Außenwelt abgeschottet. (Quelle: DLR Fotomedien KP)

Wie wirken sich extreme Bedingungen auf die Psyche künftiger Raumfahrer aus? Das wird derzeit in Köln erforscht. Dort leben sechs Personen für 100 Tage abgeschottet von der Außenwelt.

In der vergangenen Woche wurden in der Forschungsanlage „:envihab“ des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) die Türen für 100 Tage geschlossen. Sechs Freiwillige befinden sich seitdem in einer versiegelten Umgebung und nehmen an der Isolationsstudie Solis100 der Europäischen Weltraumorganisation Esa und des DLR teil.

Ziel der Studie ist es, zu untersuchen, wie sich das Leben in beengten Verhältnissen, unter strengen Regeln und ohne direkten Kontakt zur Außenwelt auf die menschliche Psyche auswirkt. Die Erkenntnisse sollen helfen, zukünftige Langzeitmissionen zum Mond und Mars vorzubereiten.

Solche Missionen erfordern „psychische und physische Belastbarkeit, Selbstständigkeit und die Fähigkeit, in isolierten und beengten Umgebungen zu bestehen“, sagt Studienleiterin Amelie Therre im Gespräch mit t-online. Daher müssten die Auswirkungen dieser extremen Bedingungen auf Gesundheit, Verhalten und Leistungsfähigkeit genau erforscht werden.

„Die Crew hat den gleichen Tagesablauf wie Astronautinnen und Astronauten auf einer Mission“, schreibt das DLR. Die Probanden müssten als Team zusammenarbeiten, hätten wissenschaftliche Aufgaben zu erledigen, müssten Sport treiben und sich um ihre „Raumstation“ kümmern.

Der Kontakt zur Außenwelt sei dabei stark eingeschränkt, so Therre. „Die Teilnehmenden dürfen einmal pro Woche eine Telefonkonferenz mit ihrer Familie führen – mit einer maximalen Dauer von zwei Stunden“, erklärt Therre. Darüber hinaus sei lediglich ein begrenzter E-Mail-Austausch mit ausgewählten Personen möglich.

Auch bei der Verpflegung orientiere sich die Studie an Bedingungen im All. Wie auf der Internationalen Raumstation ISS sei das Essen vollständig haltbar und bleibe über den gesamten Zeitraum hinweg unverändert, heißt es.

Die sechs Teilnehmer seien gezielt ausgewählt worden. Laut Therre haben sie bereits in raumfahrtnahen Bereichen gearbeitet oder streben eine entsprechende Karriere an. Einige verfügten über einen akademischen Hintergrund im Bereich Luft- und Raumfahrttechnik oder verwandten Disziplinen.

Parallel zu Solis100 läuft auf dem Gelände eine weitere Studie, die die Auswirkungen der Schwerelosigkeit simuliert. Dabei liegen zwölf Probanden für 60 Tage durchgehend im Bett. Die Untersuchung wird von der US-Raumfahrtbehörde Nasa und dem DLR durchgeführt. Die Teilnehmenden erhalten dafür eine Aufwandsentschädigung von 18.000 Euro.

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