Fragwürdige Backhaus-Aussagen

Interne Timmy-Papiere werfen Zweifel auf


12.06.2026 – 16:33 UhrLesedauer: 3 Min.

Till Backhaus zeigt, welche Strecke der Tracker am Wal zurücklegte: Ob das Tier die Strecke schwamm oder von der Strömung getrieben wurde, ist auch Experten zufolge nicht sicher, die das Umweltministerium selbst zurate zog. (Quelle: Jens Büttner/dpa)

Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus stellt sich vor die Presse und behauptet, Buckelwal Timmy habe noch mehrere Tage gelebt. Aber geben die Daten das wirklich her?

War es ein legitimer Rettungsversuch oder bloß unnötige Tierquälerei, den schwer angeschlagenen Buckelwal von Poel aus in einer für Binnengewässer konzipierten Stahlbarge durch die Ostsee zu schippern und dort in den Tod zu entlassen? Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus (SPD) versuchte am Freitag auf einer Pressekonferenz den Eindruck zu erwecken, es sei richtig von seinem Ministerium gewesen, die Aktion der privaten Wal-Initiative zu dulden.

Doch es werden Zweifel an seinen Aussagen während der Pressekonferenz laut. So hatte der Minister unter anderem behauptet, die Daten des am Wal angebrachten Trackers ließen den Schluss zu, dass das Tier von der Aussetzung am 2. Mai bis zu seinem Tod noch vier oder fünf Tage gelebt habe.

Doch Experten, die das Ministerium selbst zurate gezogen hatte, sind diesbezüglich augenscheinlich skeptisch. Der „Spiegel“ zitiert aus internen Ministeriums-Papieren, die dies belegen sollen. Demnach hatte das Ministerium dem Landesamt für Umwelt, Naturschutz und Geologie (LUNG) nur unvollständige Tracker-Daten zur Verfügung gestellt und gefragt, ob die Daten bedeuten würden, dass der Wal noch mehrere Tage gelebt habe oder ob er „nicht genauso gut gedriftet“ – also tot in der Strömung getrieben – sein könnte.

Knapp zwei Wochen nach dem Aussetzen wurde der Wal an einer dänischen Insel angespült. (Archivbild) (Quelle: Marcus Golejewski/dpa)

Darauf antwortete das Landesamt: „Anhand der vorliegenden Daten kann dies nicht eindeutig festgemacht werden. Analysen zu Schwimm- oder Driftgeschwindigkeiten (…) müssten für belastbare Interpretationen mit den noch nicht vorliegenden Informationen über Tauchtiefen und Temperatur“ verbunden werden.

Auch der Direktor des Deutschen Meeresmuseums Stralsund, Burkard Baschek, der die übermittelten Trackerdaten ebenfalls sichten konnte, äußerte laut „Spiegel“ Zweifel an den Aussagen des Ministers. Von Tauchgängen an mehreren Tagen, die Backhaus auf der Pressekonferenz erwähnte, mag er dem Magazin zufolge nicht sprechen. Er habe in dem Datensatz nur „Hinweise auf Tauchgänge des Wals innerhalb der ersten vier Stunden“ nach dessen Freilassung gefunden, zitierte der „Spiegel“ Baschek.

Auf der Insel Anholt war der Kadaver obduziert worden. (Archivbild) (Quelle: Kai Moorschlatt/dpa)
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