Debatte um NGOs

Nabu-Präsident gegen Ex-VW-Boss: „Gefährliches Gerede“

25.04.2026 – 19:24 UhrLesedauer: 6 Min.

Matthias Müller: Der 72-Jährige ist hart mit nichtstaatlichen Organisationen ins Gericht gegangen – jetzt widerspricht ihm der Nabu-Präsident. (Quelle: Marijan Murat/dpa)

Ex-VW-Boss Matthias Müller teilt hart gegen NGOs aus und stellt ihre Finanzierung infrage. Nabu-Präsident Krüger erklärt das für „Unsinn“ – und spricht über die gestörte Beziehung der Deutschen zu Wildtieren.

Der Fall des gestrandeten Buckelwals Timmy bewegt Deutschland. Doch Jörg-Andreas Krüger, Präsident des Naturschutzbundes (Nabu), warnt, dass der Naturschutz nicht auf Einzelfälle reduziert werden darf. Entscheidend sei der Schutz ganzer Lebensräume und Arten.

Im Gespräch mit t-online kritisiert Krüger auch die pauschale Kritik an NGOs, wie sie zuletzt Ex-VW-Chef Matthias Müller äußerte. Er sieht darin gefährliches Misstrauen gegenüber der Zivilgesellschaft und betont, dass Organisationen wie der Nabu einen wichtigen Beitrag leisten – besonders in Bereichen, in denen der Staat aufgrund von Personalabbau nicht mehr alleine handeln kann.

t-online: Herr Krüger, haben die Deutschen über den gestrandeten Buckelwal Timmy auf einmal ihre Liebe zum Natur- und Tierschutz entdeckt?

Jörg-Andreas Krüger: Die große Anteilnahme zeigt zunächst etwas Positives: Viele Menschen fühlen sich von Wildtieren berührt und wollen helfen. Gleichzeitig sehen wir aber auch, dass wir Tiere sehr unterschiedlich bewerten. Beim Wolf wird etwa aktuell wieder über stärkere Bejagung diskutiert, beim Fischotter gibt es ähnliche Forderungen. Das zeigt: Wir neigen dazu, Arten in „sympathisch“ und „problematisch“ einzuteilen. Für den Naturschutz ist aber entscheidend, dass wir alle Arten und ihre Rolle im Ökosystem betrachten.

Also haben die Menschen zu wenig Mitgefühl mit anderen Wildtieren?

Es ist weniger ein Mangel an Mitgefühl, sondern eher eine Frage der Perspektive. Viele Menschen haben heute kaum noch direkte Erfahrungen mit Wildtieren. Dadurch entsteht diese emotionale Fokussierung auf einzelne, besonders sichtbare Fälle, die sogar Namen erhalten. Dann reden wir lange über „Bruno den Bär“ oder „Timmy den Wal“. Diese Aufmerksamkeit ist verständlich – sie kann sogar ein guter Einstieg sein. Wichtig ist aber, dass wir sie nutzen, um auch über den Schutz von Lebensräumen und ganzen Populationen zu sprechen.

Warum ist das problematisch?

Einzelfälle wie dieser bewegen uns – und das ist menschlich. Für den Naturschutz müssen wir jedoch das große Ganze im Blick behalten. Der Buckelwal in der Ostsee ist ein Tier, das sich weit außerhalb seines natürlichen Lebensraums bewegt. Daraus lassen sich keine allgemeinen Strategien ableiten. Entscheidend ist, wie es der gesamten Population und ihrem Lebensraum geht. Bei Säugetieren sterben in der Natur oft die Hälfte aller Jungtiere vor der Geschlechtsreife. Das gehört zur Natur dazu. Menschengemachte Gefahren – etwa durch Verschmutzung oder Fischerei – müssen wir gezielt reduzieren.

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