These zu Ost- und Westdeutschen

„Absolut falsch und töricht“: So reagieren Parteikollegen auf Höcke

Aktualisiert am 09.06.2026 – 14:11 UhrLesedauer: 2 Min.

Björn Höcke: Seine Aussagen stoßen auf Kritik. (Quelle: IMAGO/OLIVER LANGEL, DÜSSELDORF. GERMANY/imago)

Der Thüringer AfD-Chef Björn Höcke hat in einem Podcast Westdeutsche als „deutsch sprechende Amerikaner“ bezeichnet. Seine Aussagen stoßen auf Kritik.

Äußerungen von Thüringens AfD-Chef Björn Höcke über West- und Ostdeutsche haben in der AfD eine Diskussion ausgelöst. Hintergrund ist ein Podcast-Interview Höckes mit Roger Köppel, dem Verleger und Chefredakteur der Schweizer „Weltwoche“. In dem Gespräch nannte der AfD-Politiker eine aus seiner Sicht wichtige Ursache für gesellschaftliche Polarisierung und Ost-West-Unterschiede: „Im Osten sind die Menschen noch Deutsche, im Westen haben sie über Jahrzehnte eine Ersatzidentität gefunden und haben sich von der amerikanischen Kultur völlig usurpieren lassen.“ Usurpieren bedeutet, etwas zu verdrängen und seinen Platz einzunehmen.

Höcke, selbst Westdeutscher, zitierte außerdem einen Satz, den er „irgendwo gelesen“ habe, der gut reinpasse: „In der westlichen Republik gibt es Deutsch sprechende Amerikaner oder wohnen Deutsch sprechende Amerikaner und im Osten der Republik wohnen Deutsch sprechende Deutsche.“ Zudem sagte er, der „Amerikanismus“ sei eine Antithese zum Deutschtum.

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Interne Kritik: „Absolut falsch und töricht“

Diesbezüglich sagte AfD-Fraktionsvize Beatrix von Storch dem Portal „The Pioneer“: „Wir sind eine einige, unteilbare deutsche Nation. Die Vollendung der inneren Einheit Deutschlands ist unser oberstes Ziel. Wir spalten sie nicht, weder politisch, geistig noch kulturell.“ Der AfD-Verteidigungspolitiker Rüdiger Lucassen, der sich in der Vergangenheit bereits offene Auseinandersetzungen mit Höcke geliefert hatte, kritisierte diesen offen für seine Aussagen.

Er könne sich „nicht mehr erklären, was in ihn gefahren ist“, sagte der frühere hochrangige Bundeswehroffizier Lucassen und nannte Höckes Aussage „herabwürdigend“. Seine Einschätzung, Westdeutsche seien „in Wahrheit verkappte Amerikaner“, erachte er als „absolut falsch und töricht“. Das sei SED-Sprech, so Lucassen.

Baumann: Haben im Westen eine andere Erziehung genossen

Der Erste Parlamentarische Geschäftsführer der AfD-Bundestagsfraktion, Bernd Baumann, sagte auf Nachfrage vor Journalisten, man sei hier im Bereich des Wahlkampfs und der Zuspitzung. Baumann verwies auf den AfD-Mitgründer Alexander Gauland, der Höcke einst als „Nationalromantiker“ bezeichnet hatte.

Direkt Bezug nehmen wollte der Hamburger auf Höckes Aussage nicht, sagte aber: Im Westen habe man eine andere Erziehung genossen. Da habe man natürlich diesen Ansatz einer gewissen Entnationalisierung, so Baumann.

AfD-Vize Kay Gottschalk antwortete auf eine Journalisten-Nachfrage, ob er sich als usurpiert von der amerikanischen Kultur fühle, er betrachte die deutsche Einheit als große Chance für Deutschland als Makler zwischen Russland und den USA. Er selbst sehe sich „als gesundes Produkt einer damals noch intakten westdeutschen Schule, die eigenes Denken und eigene Schlussfolgerungen ermöglicht hat“.

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