Krisentreffen im Verkehrsministerium
Hitze „kann uns das klitzekleine Pflänzchen Wachstum kosten“
Aktualisiert am 04.08.2026 – 10:55 UhrLesedauer: 3 Min.
Hitze und niedrige Pegel an Rhein und Donau können Deutschlands Wirtschaft rund 0,4 Punkte Wachstum kosten, warnen Ökonomen. Nicht nur die Chemie- und Mineralölindustrie sind betroffen.
Die anhaltende Trockenheit sorgt für niedrige Pegelstände. Für diese Woche rechnen Fachleute mit einem neuen Niedrigststand am Rhein. Auf 18 Zentimeter könnte der Pegel des Rhein im rheinland-pfälzischen Kaub fallen. Ein Rekordtief. Im Oktober 2018 waren an dem Messpunkt am Mittelrhein nahe der Loreley mal 25 Zentimeter gemessen worden.
Die niedrigen Pegel schränken die Schifffahrt auf dem Rhein ein. Das trifft auch die deutsche Wirtschaft. Der Rhein ist Deutschlands wichtigste Wasserstraße, achtzig Prozent der Binnenschifffahrt im Land laufen hier lang. Nun schlägt der Ökonom Thilo Schaefer vom arbeitgebernahen Institut der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln Alarm. „Ein längerer Ausfall der Schifffahrt auf dem Rhein könnte das ganz klitzekleine Pflänzchen Wirtschaftswachstum, das wir haben, komplett ersticken“, sagte Schaefer der Zeitung „Bild“. Demnach könnte das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts wegen des Niedrigwassers um 0,4 Punkte niedriger ausfallen als bisher erwartet.
Zuvor hatte bereits das Kieler Institut für Weltwirtschaft vor Wachstumseinbußen durch die Hitzewelle gewarnt. Demnach könnte das Niedrigwasser auf Deutschlands Flüssen das Bruttoinlandsprodukt zwischen Juli und September um 0,1 bis 0,2 Prozent dämpfen, so Stefan Kooths, Direktor der Forschungsgruppe Konjunktur. „Man kann den Wertschöpfungsausfall grob auf 1 bis 2 Milliarden Euro im dritten Quartal beziffern“, sagte Kooths der Zeitung „Die Welt“.

Die Hitze trifft nicht allein die Schifffahrt und die Industrie. Laut einer Studie des Instituts Prognos kostet ein einzelner Hitzetag mit Temperaturen von mehr als 30 Grad mindestens 430 Millionen Euro, etwa weil die Produktivität sinkt. Der Deutsche Bauernverband warnte vor drastischen Ernteausfällen wegen der Trockenheit. „Die aktuellen Erntezahlen erhöhen den wirtschaftlichen Druck auf unsere Betriebe erheblich“, hieß es in einer Erklärung.
Andauernde Trockenheit sei nicht neu, erläuterte Wirtschaftsforscher Schaefer. Schon 2018 lastete eine Hitzewelle über dem Land. „Damals haben Kolleginnen und Kollegen ausgerechnet, dass ungefähr 0,4 Prozent Wachstum betroffen wären“, so der Wirtschaftsforscher. Die Allianz beziffert in ihrer Studie zu extremer Hitze und ökonomischen Kosten die wirtschaftlichen Folgen der Trockenperioden für Deutschland bis 2030 auf rund 112 Milliarden Euro. Das Fazit der Allianz-Studie: „Extreme Hitze ist längst kein kurzfristiges Wetterphänomen mehr, sondern ein struktureller wirtschaftlicher Schock.“









