Irgendwann zur Hälfte des Films und des Jahrzehnts, als es mit Präsident Jelzin eben nicht mehr weitergeht, wechselt Baranow ins politische Fach. Wie und warum ausgerechnet dieser Fernsehmann dann ein einflussreicher Mann im Kreml wird, bleibt wie vieles andere an der Figur unklar.
Paul Dano spielt ihn als gefühlskalten, uncharismatischen, loyalen Gefolgsmann Putins. Baranow ist kein Magier, kein Strippenzieher, auch kein Einflüsterer Putins. Denn der lässt ihn schon sehr früh wissen, dass er sich von niemandem etwas sagen lässt.
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Baranow ist lediglich ein hochrangiger Fußsoldat – und der hat dem Präsidenten emotional wie intellektuell genauso wenig entgegenzusetzen wie seiner Frau. „Mir fehlen die Worte“, sagt er, als er erfährt, dass er Vater wird – und als Zuschauer fühlt man sich angesichts dieser Unberührtheit ähnlich.
Viel spannender sind dagegen die vergleichsweise wenigen Auftritte von Baranows Chefs: Wenn Jude Law als Putin die Mundwinkel nach unten zieht, das Kinn zur Brust drückt und seine brutalen, imperialistischen Hasstiraden in ruhigem Ton vorträgt, dann kommt er dem Original sehr nahe. Magisch ist zwar auch das nicht, aber immerhin schön anzuschauen – etwa wenn Law bei Krafttraining die Backen aufbläst, auf Wasserski steht, oder breitbeinig im Urlaubsort Sotschi seinem Berater Befehle zuraunt.
Leider gibt es diese Momente im Film viel zu selten. Sie reichen auch nicht aus, um richtig hinter die Fassade des Präsidenten zu blicken: In einem Moment fühlt sich Putin noch wohl als Geheimdienstmann im Hintergrund, direkt danach gibt er schon den Ton an und ärgert sich darüber, dass ein Russe noch populärer ist als er selbst: Josef Stalin.
Anstatt Putins Gedankenwelt zu verstehen, sieht man Paul Dano häufiger dabei zu, wie er die Befehle seines Chefs ausführt. Mal drückt er Rockern oder Kommunisten Aktenkoffer in die Hand, mal trichtert er Putins späteren Rivalen Jewgeni Prigoschin ein, wie er Desinformationskampagnen im Internet aufziehen soll. Spätestens in der zweiten Hälfte flacht der Film dann ab, weil er immer wieder die nächste Episode in Baranows Leben abspult.










