Verhandlungen haben begonnen
Milchprodukte könnten bald teurer werden
26.09.2026 – 05:10 UhrLesedauer: 2 Min.
Der Milchpreis liegt derzeit auf einem Fünfjahrestief. Nun drängt die Industrie auf eine Wende und nennt gleich mehrere Gründe dafür.
Der Milchindustrie-Verband (MIV) hat erhebliche Preissteigerungen bei Milchprodukten gefordert. Erste Verhandlungen über Trinkmilch, Joghurt, Quark und ähnliche Frischeprodukte haben bereits begonnen, wie die Deutsche Presse-Agentur berichtet. Konkrete Zahlen nannte der Verband mit Verweis auf die laufenden Gespräche nicht.
Der MIV begründet seine Forderung mit mehreren Faktoren. Nach Verbandsangaben liegt der Milchpreis derzeit rund ein Viertel unter dem Vorjahresniveau und hat damit ein Fünfjahrestief erreicht. Gleichzeitig laufe der Absatz von Milch und Milchprodukten sowohl in Deutschland als auch international gut. Die sommerliche Trockenheit habe die Milchanlieferung in Teilen Deutschlands und Europas stark zurückgehen lassen. Zusätzlich rechnen viele Experten durch einen starken El-Niño-Effekt im tropischen Pazifik mit einer deutlichen Abschwächung der weltweiten Milchanlieferung. Dieser Klimaeffekt kann in wichtigen Molkerei-Exportregionen zu Dürren führen.
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Für die deutsche Milchwirtschaft hat der Weltmarkt erhebliches Gewicht: Nach Angaben des Bundesverbands des Deutschen Lebensmittelhandels gehen 49 Prozent der hierzulande hergestellten Milchprodukte in den Export.
Erste Anzeichen für eine Trendwende gab es bereits bei Butter. Nach einem starken Preisverfall Ende 2025, der Butter zeitweise unter die Marke von einem Euro je 250-Gramm-Päckchen gedrückt und Bauernverbände zu Protesten veranlasst hatte, zog der Preis wieder an. Supermärkte und Discounter erhöhten den Preis für Eigenmarken-Päckchen Mitte September um 14 Cent auf 1,19 Euro. Auch bei Käse, Milchpulver und Proteinprodukten steigen die Erlöse. Der Preis für frische Vollmilch blieb im bisherigen Jahresverlauf bei rund 95 Cent pro Liter stabil.
Proteinboom treibt Nachfrage an
Einen weiteren Nachfragetreiber sieht Kerstin Keunecke von der Agrarmarkt Informations-Gesellschaft (AMI) im Proteinboom. Molkenproteinkonzentrate seien derzeit stark gefragt. Für deren Herstellung werde Molkenkonzentrat benötigt, das entsprechend knapp und hochpreisig sei. Molke ist das flüssige Nebenprodukt, das bei der Käseherstellung entsteht.
Die Landwirte drängen darauf, von der erwarteten Preiswende zu profitieren. Karsten Schmal, Vizepräsident des Deutschen Bauernverbandes und Milchpräsident, sagte: „Der Deutsche Bauernverband fordert, dass sich abzeichnende Markterholungen bei Milch zeitnah an die Erzeuger weitergegeben werden, da Dünger-, Energie- und Treibstoffkosten die Betriebe weiter erheblich belasten.“ Wer künftig hochwertige Milchprodukte aus heimischer Erzeugung wolle, müsse sicherstellen, „dass steigende Erlöse fair entlang der Wertschöpfungskette verteilt werden und bei den Milcherzeugern ankommen“, so Schmal.
Ähnlich äußerte sich der Bundesverband Deutscher Milchviehhalter. Angesichts zurückgehender Milchanlieferungen und einer deutlich besseren Nachfrage vor allem nach Milcheiweiß sei die Forderung nach höheren Preisen für Trinkmilch und Quark „höchst angebracht“, sagte ein Verbandssprecher.
