Kosmischer Kannibale
Sonne könnte Planeten verschluckt haben
15.09.2026 – 06:57 UhrLesedauer: 2 Min.
Die Sonne könnte in ihrer Frühzeit einen massereichen Planeten verschluckt haben. Chemische Spuren dieses kosmischen Kannibalismus könnten noch heute in ihr stecken.
Wissenschaftler haben Hinweise darauf gefunden, dass die Sonne in ihrer Frühzeit eine sogenannte Supererde verschluckt haben könnte. Die chemischen Spuren dieses Vorgangs könnten noch heute tief im Inneren unseres Zentralgestirns verborgen sein. Zu diesem Schluss kommt ein Forscherteam um Mutlu Yildiz von der Ege-Universität im türkischen Izmir.
Die Wissenschaftler stützen ihre These auf Abweichungen zwischen Beobachtungen der Sonne und den Vorhersagen gängiger Sternentwicklungsmodelle. Mithilfe spezialisierter Software zur Sternentwicklung spielten Yildiz und sein Team verschiedene Szenarien durch. Ihr Ergebnis: Am besten passen die beobachteten Abweichungen zu einem Vorgang, bei dem die Sonne einen Planeten geschluckt hat, der fünf- bis zehnmal so massereich wie die Erde war.
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Die Theorie wird durch frühere Studien gestützt, die nahelegen, dass sich innerhalb der Umlaufbahn des Merkurs – des sonnennächsten Planeten – einst eine oder mehrere Supererden gebildet haben könnten. Diese Planeten hätten sich dann durch die protoplanetare Scheibe rund um die junge Sonne bewegt und wären schließlich in sie hineingeraten.
Was ist eine protoplanetare Scheibe?
Eine protoplanetare Scheibe ist eine Scheibe aus Gas und Staub um einen jungen Stern, aus der sich nach und nach Planeten bilden können. Auch unser Sonnensystem entstand vor Milliarden Jahren aus einer solchen Scheibe.
Keine Supererden in unserem Sonnensystem
Supererden sind in anderen Planetensystemen weitverbreitet. Es handelt sich dabei um Planeten, die größer als die Erde, aber kleiner als Eisriesen wie Neptun sind. Trotz ihres Namens müssen sie nicht erdähnlich oder bewohnbar sein. Dass unser Sonnensystem keinen solchen Planeten besitzt, galt bislang als Besonderheit. Die neue Studie liefert dafür eine mögliche Erklärung: Eventuell gab es einst eine Supererde, die von der Sonne verschlungen wurde.
Allerdings schließen die Forscher nicht aus, dass auch andere Ursachen für die gemessenen Abweichungen verantwortlich sein könnten. Ihr Modell setzt nicht zwingend voraus, dass ein Planet vollständig von der Sonne aufgenommen wurde.
Die Theorie basiert ausschließlich auf Computermodellen und bisher ungeklärten Eigenschaften der Sonne. Die Forscher sind jedoch überzeugt, dass die vorhergesagten strukturellen und chemischen Spuren eines verschluckten Planeten noch immer im Inneren der Sonne vorhanden sein könnten – und prinzipiell nachweisbar wären.