Kein Chaos, viel Ruhe: Der frühe Klassenerhalt ist für den HSV mehr als nur ein sportlicher Erfolg. Es könnte der Schlüssel für eine erfolgreiche Zukunft sein.
Kein Zittern, keine Angst, nur ein kleines bisschen Anspannung in den vergangenen Wochen. Ohne Drama hat der HSV den Klassenerhalt in der 1. Bundesliga bereits am 32. Spieltag eingetütet. Zum ersten Mal seit 13 Jahren kann der Verein damit frühzeitig für die kommende Saison planen. Noch vor wenigen Monaten hätte damit kaum jemand gerechnet.
Denn der HSV wirkte zu Saisonbeginn wie ein sicherer Absteiger. Nach drei Spielen standen die „Rothosen“ noch ohne eigenes Tor da, die Mannschaft stolperte beinahe hilflos durch die deutlichen Niederlagen gegen St. Pauli und den FC Bayern. In früheren Jahren hätten solche Wochen beim HSV schnell Panik ausgelöst – inklusive Trainerdiskussionen und öffentlicher Unruhe. Doch dieses Mal entschied sich der Verein bewusst dagegen. Die Verantwortlichen hielten am Aufstiegstrainer Merlin Polzin fest und setzten auf Ruhe, Zusammenhalt und Geduld. Rückblickend war genau das die wichtigste Entscheidung der Saison.
Denn der HSV hatte sich im vergangenen Sommer bewusst entschieden, sich sportlich nahezu neu zu erfinden. Leistungsträger wie Dennis Hadzikadunic, Davie Selke, Ludovit Reis und Sebastian Schonlau verließen den Verein. Gleichzeitig veränderte sich die Hierarchie innerhalb des Kaders: Mehrere Aufstiegshelden verloren ihren Stammplatz oder ihre Bedeutung. Hinzu kam, dass wichtige Neuzugänge wie Fabio Vieira, Albert Sambi Lokonga und Luka Vuskovic erst spät nach Hamburg wechselten. Dass eine Mannschaft gerade als Aufsteiger unter diesen Voraussetzungen Zeit benötigen würde, war absehbar.
Umso bemerkenswerter ist, wie stabil der Verein auf kleinere und größere Krisen reagierte. Seit dem dritten Spieltag rutschte der HSV nicht mehr auf einen Abstiegsplatz ab, zwischenzeitlich war der Abstand nach unten sogar größer als der Rückstand auf die Europapokalplätze. Selbst als im April nach sechs sieglosen Spielen wieder Unruhe drohte, verfiel der Klub nicht in alte Muster, sondern vertraute auf das Trainerteam.
Dasselbe galt abseits des Platzes: Sowohl die Alkoholfahrt Jean-Luc Dompés als auch die überraschende Trennung von Sportvorstand Stefan Kuntz hätten in früheren Jahren wochenlange Nebenschauplätze eröffnet. Stattdessen präsentierte sich der HSV auffallend geschlossen. Der einstige Chaosklub wirkt heute deutlich gereifter – auch wegen des öffentlichen Auftretens von Polzin und Finanzvorstand Eric Huwer.










