Europäer bleiben aus

Kult-Reiseziel Goa: Warum niemand mehr ins Paradies will


19.05.2026 – 07:29 UhrLesedauer: 3 Min.

Sonnenuntergang am Colva Goa Strand in Südindien: Viele ausländische Gäste bemängeln Müll, der sich an den Stränden des Urlaubsparadieses sammelt. (Quelle: IMAGO/Zoonar.com/Berit Kessler)

Goa war einst Pflichtstation für Backpacker und Sonnenanbeter aus aller Welt. Nun lassen Europäer das einstige Traumziel zunehmend links liegen.

Goa galt jahrzehntelang als Sehnsuchtsort für Rucksacktouristen, Hippies und Auswanderer aus Europa und Russland. Doch in Indiens berühmter Partydestination hat sich das Publikum verändert. Bars, Strandlokale und Hotels sind weiterhin gut gefüllt, aber die meisten Urlauber in dem Westküstenbundesstaat stammen inzwischen aus Indien selbst. Ausländische Touristen, vor allem Europäer und Russen, bleiben zunehmend aus.

Besonders deutlich zeigt sich dieser Wandel an beliebten Stränden wie Palolem im Süden Goas. Hier dominieren heute in den kleinen Küstenorten heimische Besucher. Zahlen des indischen Tourismusministeriums bestätigen den Trend. 2017 reisten noch fast 900.000 ausländische Touristen nach Goa. Bis 2025 sank die Zahl auf rund eine halbe Million. Gleichzeitig stieg die Zahl indischer Urlauber von 6,8 Millionen im Jahr 2016 auf zuletzt mehr als zehn Millionen.

Ausländer essen auswärts und mieten Ausflüge

Sollte sich Goa nicht eigentlich über diese Entwicklung freuen? Nicht unbedingt: Für die stark vom Tourismus abhängige Wirtschaft Goas ist die Entwicklung problematisch, sagte der Hotelier Shervyn Lobo der BBC. In seinem Hotel am beliebten Baga Beach sei die Zahl ausländischer Gäste um mindestens zehn Prozent gesunken.

Zwar lasse sich das teilweise durch indische Urlauber ausgleichen. „Aber internationale Gäste bleiben meist länger und geben insgesamt mehr Geld aus“, so Lobo. Ausländer buchen seiner Aussage nach auch häufiger Ausflüge, mieten Roller und essen regelmäßig in Restaurants – anders als viele indische Touristen, die eher Komplettpakete bevorzugen.

Strand von Palolem: Wo einst europäische Touristen Sonne, Meer und Lebensart genossen, machen nun die Inder selbst Urlaub. (Quelle: via www.imago-images.de)

Der Rückgang internationaler Besucher trifft das gesamte touristische Ökosystem, sagt auch Ernest Dias, Mitglied eines Ausschusses im Tourismusministerium von Goa. Er erklärte der BBC, dass die Regierung inzwischen gegensteuert. „Wir versuchen jetzt mit aller Kraft, die Ausländer zurückzugewinnen – etwa mit Roadshows. Kürzlich waren wir in Polen, als Nächstes möchten wir Skandinavier ansprechen“, sagt Dias. Zudem wolle Goa künftig stärker Touristen aus Asien und Afrika anlocken.

Warum bleiben Europäer aus?

Viele Mitteleuropäer bevorzugen mittlerweile asiatische Länder wie Vietnam in Südostasien oder Sri Lanka im Indischen Ozean. Hier ist der Urlaub oft günstiger und moderner; dazu sind häufig auch die Einreiseverfahren für Europäer einfacher und preiswerter.

So benötigen deutsche Staatsbürger für einen Goa-Urlaub zwingend ein im Voraus beantragtes Visum. Das Touristenvisum ist als elektronisches Visum (e-Tourist Visa) verfügbar und muss spätestens vier Tage vor der Abreise online beantragt werden. Ganz anders in Vietnam. Für einen Aufenthalt von bis zu 45 Tagen können Deutsche mit gültigem Reisepass visumfrei einreisen (inklusive Ein- und Ausreisetag). Dias sagt: „Die Reisenden von heute wollen schnell entscheiden und spontan verreisen. Daher trägt die Verzögerung bei Visa definitiv stark zum Rückgang bei“.

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