Nein, das ist für mich kein Fortschritt. Man muss bedenken: Wenn ich mich einmal entscheide – zum Beispiel für einen Auszahlplan bis 85 –, dann kann ich das später nicht mehr ändern. Wenn ich älter werde als gedacht, stehe ich unter Umständen ohne Absicherung da. Lebenslange Leistungen haben den Vorteil, dass sie genau dieses Risiko absichern. Deshalb sollte man sehr genau überlegen, wie weit man sich davon entfernt.

Nein, im Gegenteil. Wenn der Markt funktioniert – und davon bin ich überzeugt –, brauchen wir überhaupt keinen Kostendeckel. Der Wettbewerb wird dafür sorgen, dass sich angemessene Preise durchsetzen. Ein zu niedriger Kostendeckel kann dazu führen, dass es weniger Angebote und eine geringere Verbreitung gibt. Das wäre kontraproduktiv.

Ein Kostendeckel von 0,5 Prozent, wie ihn jetzt einige fordern, halten Sie also für zu niedrig?

Das halte ich für deutlich zu niedrig. Man darf nicht vergessen: Ein Altersvorsorgeprodukt ist nicht mit einem einfachen ETF-Sparplan vergleichbar. Es gibt zusätzliche Anforderungen wie Verwaltung, Schnittstellen zu Behörden oder den Versorgungsausgleich. Das verursacht Kosten.

Aber läuft man mit einem hohen Kostendeckel nicht auf eine Gerechtigkeitslücke zu – zwischen denen, die sich gut auskennen und günstige Produkte wählen, und denen, die auf die teurere Standardlösung angewiesen sind?

Am Ende ist entscheidend, welches Produkt zu mir passt. Natürlich gibt es Menschen, die sich intensiv mit Finanzen beschäftigen und alles selbst organisieren. Andere wollen ein Rundum-sorglos-Paket mit Beratung und Service. Beides hat seine Berechtigung. Wenn es zwar günstige Angebote gibt, aber niemand dazu berät, dann erreichen sie gerade Menschen mit wenig Finanzwissen nicht. Wichtig ist vor allem, dass möglichst viele überhaupt anfangen, vorzusorgen.

Wäre ein Opt-out-System, also eine automatische Teilnahme mit der Option, aktiv zu widersprechen, ein Weg, um mehr Menschen zu erreichen?

Dafür ist die private Altersvorsorge nicht geeignet. Unser System basiert bewusst auf drei Säulen: Die gesetzliche Rente ist verpflichtend, die betriebliche Altersvorsorge ist kollektiv organisiert und die private Vorsorge ist individuell und freiwillig. Ein Opt-out würde dieses System grundsätzlich verändern. Außerdem stellen sich ganz praktische Fragen: Wer überwacht das? Was passiert, wenn Beiträge nicht gezahlt werden? Es ist richtig, dass wir in Deutschland zu mehr kapitalgedeckter Vorsorge kommen müssen, um dem Demografieproblem in der gesetzlichen Rente zu begegnen. Den größeren Hebel gibt es dafür aber bei der betrieblichen Altersvorsorge.

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