Forderungspapier aus dem Parlament
„Die Rente mit 63 passt nicht mehr in unsere Zeit“
19.06.2026 – 11:01 UhrLesedauer: 3 Min.

Die Debatte über die Reform der Rente geht weiter. Aus dem Bundestag kommt ein Papier mit sechs Forderungen für eine gerechtere Rentenpolitik.
Die Rentenkommission hat ihre Arbeit abgeschlossen und will am kommenden Dienstag ihren Bericht an die Bundesregierung übergeben. Medienberichten zufolge haben sich die Experten auf 30 Maßnahmen geeinigt, wie die Rente in Deutschland reformiert werden soll. Allerdings ist es nach Informationen des „Handelsblatts“ wohl nicht zu einem einstimmigen Beschluss gekommen. Über jedes der 30 Punkte habe man einzeln abgestimmt und ein Mehrheitsergebnis erzielen können, so das Blatt.
Nach dem Erhalt des Maßnahmenkatalogs will die Koalition aus Union und SPD in Klausur gehen und entscheiden, was sie tatsächlich angehen will. Nach der Sommerpause könnte es Gesetzesentwürfe geben, die im Parlament eine Mehrheit finden müssen.
Schwarz-grünes Papier liefert Ideen für eine Rentenreform
Einen Hinweis, in welche Richtung die Bundestagsabgeordneten im Parlament tendieren könnten, liefert ein neues Papier aus dem Ausschuss für Arbeit und Soziales. Geschrieben wurde es vom CDU-Abgeordneten Stefan Nacke und seinem Kollegen Armin Grau von den Grünen. Nacke ist Vorsitzender der Arbeitnehmergruppe in der Unionsfraktion, die sich als „parlamentarischer Arm“ des Sozialflügels der CDU, der Christlich-Demokratischen Arbeitnehmerschaft (CDA), versteht. Armin Grau ist langjähriger Sozialpolitiker, der auch dem Gesundheitsausschuss angehört und vor seiner Politikkarriere als Arzt tätig war.
Da die Bundesregierung im Bundestag nur eine knappe Mehrheit hat, verfügen die verschiedenen Flügel in den Parteien über eine relativ große Macht. So hatte etwa die Junge Gruppe der Union Ende 2025 lange Zeit den Beschluss eines ersten Rentenpakets verhindert.
In dem Papier stellen Nacke und Grau sechs zentrale Forderungen für eine Neuaufstellung der Rente in Deutschland:
- Das Rentenniveau in der gesetzlichen Rente sollte gestärkt werden, damit es langfristig steigen kann. Dazu sollten „neue, kollektive Ertragsbausteine“ herangezogen werden. Welche das sein könnten, wird nicht erläutert.
- Der Bund muss seinen Verpflichtungen nachkommen und die nicht beitragsgedeckten Leistungen vollständig übernehmen. Der Zuschuss des Bundes an die Rentenversicherung sollte also steigen. Geplant ist aktuell das Gegenteil: Der Finanzminister will wohl den Rentenzuschuss des Bundes 2027 sogar erneut kürzen.
- Die Betriebsrente sollte für alle verpflichtend sein und von allen Arbeitgebern mitfinanziert werden.
- Mehr Menschen in Arbeit bringen. Besonders hervorgehoben werden Ältere, Frauen und qualifizierte Fachkräfte aus dem Ausland.
- Minijobs sollten verpflichtend sozialversicherungspflichtig sein. Ausnahmen sollte es nur für Jugendliche oder Rentner geben.
- Die Rahmenbedingungen sollten stimmen, damit Menschen so lange wie möglich in Arbeit bleiben. Dazu gehören die Stärkung der Gesundheitsprävention und der Rehabilitation sowie die Förderung von altersgerechten Arbeitsplätzen. Die Frührente für besonders langjährig Versicherte sollte abgeschafft werden.
Die beiden Politiker fordern alle demokratischen Parteien der Mitte dazu auf, gemeinsam an der Rentenpolitik zu arbeiten. „Wir sind überzeugt: Eine verlässliche Alterssicherung braucht eine breite demokratische Mehrheit“, heißt es in dem Papier.
Abschaffung der Frührente scheint unausweichlich
Die Forderungen aus dem Sozialausschuss decken sich an vielen Stellen mit den Vorschlägen, die in den vergangenen Wochen kolportiert wurden und die vermutlich auch im Bericht der Rentenkommission auftauchen könnten. Besonders die sogenannte Rente mit 63 dürfte an ein Ende kommen. Damit ist die Frührente für Menschen gemeint, die mindestens 45 Jahre lang in die Rentenkasse eingezahlt haben. Diese Gruppe darf nach geltendem Recht dann zwei Jahre vor dem regulären Renteneintrittsalter in den Ruhestand gehen. Entwickelt wurde das System für besonders körperlich belastete Berufsgruppen. Studien haben allerdings immer wieder gezeigt, dass das Modell vor allem von Gutverdienern in Bürojobs genutzt wird.