Der Luce sollte wohl Kundengruppen ansprechen, die bisher nicht erreicht wurden. Und man darf auch nicht vergessen: Als Ferrari vor knapp fünf Jahren mit der Entwicklung begann, war die Welt noch euphorisch gegenüber E-Autos. Auch Luxushersteller stiegen in den damals vielversprechenden Markt ein, zumal in der EU ein Verbrennerverbot im Raum stand. Das ist inzwischen zwar aufgeweicht, dennoch ist bei Autoherstellern Ernüchterung eingekehrt. Die Nachfrage nach E-Autos, auch und gerade im Premium-Segment, ist verhalten.

Lamborghini und Aston Martin rudern zurück

Doch Ferrari macht jetzt das, was sich nicht mehr jeder Konkurrent traut: ein E-Auto, rein elektrisch. Lamborghini hat seinen ersten Stromer noch vor Markteinführung aus dem Programm genommen. Aston Martin hat die Markteinführung auf Ende des Jahrzehnts verschoben.

Ferrari hat ebenfalls seine Ziele nach unten korrigiert: Ursprünglich wollte das Unternehmen bis 2030 rund 40 Prozent seiner Fahrzeuge elektrisch antreiben. Inzwischen wurde dieses Ziel auf 20 Prozent reduziert.

Gratwanderung für Ferrari

Man versucht die Gratwanderung zwischen den Bedürfnissen der Zielgruppe nach Tempo, Dynamik, Design, Sound und dem Besonderen einerseits und den CO2-Vorgaben in einer sich verändernden Welt andererseits.

Bei aller Kritik an dem neuen Auto: Ferrari ist nicht nur für seine Technik bekannt, sondern auch für strategisch kluges Marketing. Man dürfte sich im italienischen Maranello, dem Ferrari-Hauptsitz, auch bei diesem Auto etwas gedacht haben. Selbst wenn es nicht alle Alleinstellungsmerkmale wie positive Emotionen, Verknappung oder Preissetzungsmacht erfüllen sollte.

Insgesamt kommt Ferrari noch gut durch die Krise. Zwar wurden im ersten Quartal weniger Autos ausgeliefert – die Nahost-Krise macht sich bemerkbar –, aber mit höheren Preisen war der Gewinn dennoch größer, als die Analysten erwartet hatten. Da kann man einen Test wie den Luce wagen.

Ferrari dürfte pro Auto 200.000 Euro gewinnen

Um einmal die Marktstellung zu verstehen: Automobil-Analysten schätzen, dass Ferrari pro Auto rund 200.000 Euro Gewinn macht. Bei Porsche ist der Gewinn pro Auto niedrig fünfstellig.

Natürlich ist der Erfolg des Luce nicht garantiert. Von einem neuen Standbein über neue Kunden bis zu einem Flop ist alles drin. Knackpunkt bei allen E-Autos ist der schwer einschätzbare Wertverlust. Ein Phänomen, das Ferrari von Verbrennern eher nicht kennt. Und die Frage, ob die Kunden elektrische Sportwagen überhaupt wollen.

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