Das klingt dann aber doch so, als würden Sie Herrn Kubicki in den internen Sitzungen immer wieder unter Beschuss nehmen.

In der FDP wird immer diskutiert. Liberale sind keine Lemminge, die hinter einer Figur herlaufen, egal auf welchen Abgrund diese zusteuert, wie derzeit die Mitglieder der Regierungsparteien, die Herrn Merz und Herrn Klingbeil sowie Frau Bas blind folgen, wissend, dass deren Antworten auf die drängenden Fragen der Zeit keine sind. Wir wollen, dass die FDP wieder eine Rolle spielt in der Parteienlandschaft und dass sie spätestens 2029 mit neuen Gesichtern wieder in den Bundestag einzieht.



Ich glaube nicht, dass wir mit schrillen Tönen überzeugte AfD-Wähler wieder zurückgewinnen.


Marie-Agnes Strack-Zimmermann


Sie könnten aber doch auch sagen: Wahl verloren, jetzt reihe ich mich ein, ich erspare mir und der Partei jeden weiteren Konflikt. Warum wollen Sie das nicht tun?

Der Parteitag hatte die Wahl. Dort wurde abgestimmt, und jetzt konzentrieren wir uns auf unsere Arbeit und wirken vor allem nach außen. Da spielt nämlich die Musik, wenn man erfolgreich sein will, und das wollen wir alle, egal, ob jemand das alte „Schlachtross“ Strack-Zimmermann oder Kubicki angekreuzt hat.

Der inhaltliche Riss in der Partei zeigt sich entlang der Frage: Soll die FDP nicht nur enttäuschte Anhänger der Merz-CDU umwerben, sondern auch solche Wähler, die inzwischen ihr Kreuz bei der AfD machen? Kann es in dieser Frage, die vor allem ja auch eine des Tonfalls und des Auftretens ist, überhaupt einen Kompromiss geben in der FDP?

Wir reden bitte von Bürgerinnen und Bürgern, die ihrem Wahlrecht nachkommen dürfen und eine Wahl haben. Jeder ist willkommen, uns zu wählen, losgelöst davon, was er und sie auf lokaler, Landes- oder Bundesebene schon einmal gewählt hat.

Aber das Argument der Wählerwanderung, weg von der FDP, hin zu CDU/CSU und AfD, ist doch trotzdem sehr einleuchtend.

Wählerwanderung ist kein neues Phänomen. Das gab es schon immer. In den letzten Jahren ist die Fluktuation aber insgesamt viel höher geworden, und zwar in unterschiedliche Richtungen. Sonst wäre ja auch kaum vorstellbar, dass bürgerliche Wähler plötzlich auch hart links wählen. Wir müssen konsequent ein liberales Programm anbieten. Dann werden wir die Menschen auch wieder von uns begeistern, woher auch immer sie kommen und unabhängig davon, was sie vorher gewählt haben. Ich glaube nicht, dass wir mit schrillen Tönen überzeugte AfD-Wähler wieder zurückgewinnen. Die unappetitliche Tonlage der AfD sind wir nicht und wollen wir niemals sein. Sie löst Empörung, Angst und Unmut aus. Wir haben eine vollständig andere Lebenseinstellung: positiv und bejahend, an den Mut und den Fleiß der Menschen und an die Freiheit glaubend.

Share.
Exit mobile version