Ärzte aus den USA vermelden Erfolg
Mann bekam Schweineniere transplantiert – und lebte
04.09.2026 – 15:00 UhrLesedauer: 3 Min.
Die Chancen auf eine menschliche Spenderniere standen schlecht. Der Mann brauchte Zeit – und genau die verschaffte ihm das tierische Organ.
Einem Menschen eine Schweineniere transplantieren: Was nach einer verrückten Idee klingt, ist tatsächlich passiert. Am 25. Januar 2025 setzten Ärzte in den USA einem 66 Jahre alten Mann die genetisch veränderte Niere eines Schweins ein.
Das Organ übernahm bei ihm rund neun Monate lang die Arbeit der Nieren. Der Patient kam dadurch 271 Tage ohne Dialyse, also ohne regelmäßige Blutwäsche, aus. Über den außergewöhnlichen Fall hat das Ärzteteam nun im Fachjournal „The Lancet“ berichtet.
- Durchbruch an der Charité: Einzigartige Herzprothese implantiert
- Symptome erkennen: So kündigt sich ein Nierenversagen an
Menschliche Niere war nicht verfügbar
Der Mann lebte seit vielen Jahren mit Diabetes. Die Erkrankung hatte seine Nieren so schwer geschädigt, dass sie schließlich kaum noch arbeiten konnten. Er war deshalb auf die Dialyse angewiesen und brauchte dringend eine Spenderniere.
Doch es fand sich kein geeigneter Lebendspender. Und auch die Aussicht auf eine Niere eines verstorbenen Spenders war schlecht: Seine Ärzte schätzten die Chance, innerhalb der nächsten fünf Jahre ein solches Organ zu bekommen, auf nur etwa neun Prozent. Gleichzeitig lag sein Risiko, in dieser Zeit zu sterben oder von der Warteliste gestrichen zu werden, bei 40 Prozent.
In dieser Situation entschieden sich die Ärzte für einen ungewöhnlichen Weg: Eine Schweineniere sollte die Zeit überbrücken, bis möglicherweise doch noch eine menschliche Niere verfügbar würde. Solche Eingriffe nennen Mediziner Xenotransplantation. Gemeint ist damit die Übertragung von Organen oder Gewebe zwischen verschiedenen Spezies – insbesondere von Tieren auf den Menschen.
Forschung zu Xenotransplantation
Die Xenotransplantation – also die Übertragung tierischen Gewebes auf den Menschen – wird als mögliche Lösung für den globalen Mangel an Spenderorganen betrachtet. In den vergangenen Jahren hat das Forschungsfeld bedeutende Fortschritte erzielt: Neben erfolgreichen präklinischen Studien wurden bereits Schweineherzen, -lungen, -lebern und -nieren in Menschen transplantiert. In den USA wurden Anfang des vergangenen Jahres erstmals klinische Studien zur Xenotransplantation von Schweinenieren genehmigt.
Schweineniere wurde gezielt verändert
Mit einer gewöhnlichen Schweineniere wäre die Transplantation nicht möglich gewesen. Das Immunsystem des Mannes hätte das fremde Organ schnell erkannt und angegriffen.
Deshalb hatten Forscher das Erbgut des Spendertiers zuvor an mehreren Stellen verändert. Sie entfernten unter anderem Gene, die besonders starke Abwehrreaktionen des menschlichen Körpers auslösen können. Gleichzeitig fügten sie sieben menschliche Gene ein, die unter anderem dabei helfen sollen, Entzündungen und Probleme mit der Blutgerinnung zu begrenzen.
Zusätzlich erhielt der Patient starke Medikamente, die sein Immunsystem bremsen und so verhindern sollten, dass sein Körper die neue Niere abstößt.
So reagierte der Patient auf die Niere
Zunächst lief alles gut. Schon während der Operation begann die Schweineniere, Urin zu produzieren. Auch die Blutwerte des Patienten verbesserten sich rasch.
Nach zwei Wochen zeigte sich dann eine erste Abstoßungsreaktion. Bestimmte Abwehrzellen des Körpers griffen das fremde Organ an. Die Ärzte konnten diese Reaktion jedoch mit Medikamenten stoppen.