Klingbeil auf der Tribüne?
Dass der Kanzler und andere Politiker dennoch die Nähe zur Nationalmannschaft suchten, sei nachvollziehbar. „Das ist natürlich eine irre Popularitätsressource“, erläuterte Alexander. „Wenn das dritte Spiel gewonnen wird, glaube ich, dann geht wieder der Run los“, sagte er und prognostizierte für diesen Fall die Präsenz von Vizekanzler Lars Klingbeil und anderen Kabinettsmitgliedern auf den Tribünen. Auch zum weiteren Turnierverlauf wagte Alexander eine Vorhersage. Im Achtelfinale gegen Frankreich sei für die Nationalelf seiner Ansicht nach Schluss, so der Journalist.
Damit schloss sich Alexander dem Tipp des langjährigen Fußball-Kommentators Marcel Reif an, der dem deutschen Team allerdings gute Ansätze in den ersten beiden Spielen bescheinigte und sich nicht komplett festlegen wollte.
Zu einem Aufeinandertreffen Deutschlands und Frankreichs im Achtelfinale käme es, falls beide Mannschaften ihre Gruppe als Erster abschließen und das Sechzehntelfinale überstehen.
„Wir schaffen es auf jeden Fall bis ins Viertelfinale“, hielt Papenburg etwas optimistischer dagegen. Auch bei der allgemeinen Bewertung von politischen Äußerungen durch Fußballer wich die Sportjournalistin von der Meinung ihrer Mitdiskutanten ab. Der moderne Fußballer von heute könne sich nicht mehr hinstellen und sagen, er spiele nur Fußball und alles andere interessiere ihn nicht. „Das sind Menschen, die machen sich Gedanken um das, was passiert“, erläuterte Papenburg und führte als Beispiel die Fußballer-Generation um DFB-Kapitän Joshua Kimmich an.
Mund-zu-Geste im kritischen Rückblick
Dem DFB selbst bescheinigte Papenburg hingegen ein konstantes Versagen in seinem politischen Auftreten, auch im Zusammenhang mit der rückblickend kritisch bewerteten Mund-zu-Geste der Nationalspieler bei der WM 2022 in Katar. Beim offiziellen Mannschaftsfoto vor dem WM-Auftaktspiel hatten sich damals alle Startelf-Spieler aus Protest gegen das FIFA-Verbot der sogenannten One-Love-Binde demonstrativ die rechte Hand vor den Mund gehalten.
„Das war horrender Mumpitz“, urteilte Reif über die Aktion. Man habe die Spieler damals in eine unangenehme Situation hineinlaufen lassen. Generell hätten Journalisten mit unfairen Methoden schon immer einen gewissen Anteil an solchen unglücklichen Spielerauftritten gehabt. „Wir nehmen uns einen 22-Jährigen und fragen den zur Situation in Argentinien. Wenn wir Glück haben, weiß der ungefähr, wo Argentinien ist. Das ist unsauber“, kritisierte der Sportjournalist die eigene Zunft am Beispiel der Ereignisse rund um die Fußball-WM 1978.
„Die Fußballer selbst, die sollten Fußball spielen“, pflichtete Alexander bei. Das Drumherum hingegen sei zweifellos politisch. „Die Politiker auf den Tribünen, die darf man schon fragen“, schlug der Journalist vor. Sollte seine Prognose sich bewahrheiten, wird es demnächst wieder ausreichend Gelegenheit dazu geben.










