Wie kann Europa seine Wettbewerbsfähigkeit gegenüber den USA und China in einer Zeit aufrechterhalten, in der Technologie und künstliche Intelligenz zu Schlüsselfaktoren für Wirtschaftswachstum und geopolitische Macht werden?
Dies war die zentrale Frage im Mittelpunkt der Panathenaea (Panathēnea 2026), der internationalen Veranstaltung für Innovation und Unternehmertum in Athen, die Technologiegründer, Investoren und Führungskräfte aus der ganzen Welt zusammenbrachte.
Nach Angaben der Veranstalter verzeichnete die diesjährige Veranstaltung mehr als 11.500 Anmeldungen aus 60 Ländern, wobei 30–35 % der Teilnehmer aus dem Ausland kamen. Mehr als 3.000 Mitglieder des Start-up-Ökosystems waren in Athen, während 440 Freiwillige und mehr als 90 Nebenveranstaltungen in der ganzen Stadt das Programm unterstützten.
Auf der Bühne des Zappeion teilten Unternehmer, die Unternehmen mit Präsenz in Dutzenden von Ländern aufgebaut haben, mit, was Europa jetzt braucht, um seine nächsten globalen Technologie-Champions hervorzubringen.
Europa braucht eine stärkere Risikobereitschaftskultur
Eine der klarsten Botschaften kam von Markus Villig, Gründer und Geschäftsführer von Bolt, dem estnischen Fahrdienst- und Lieferunternehmen, das mittlerweile in Dutzenden Ländern tätig ist.
Villig beschrieb, wie sein Unternehmen in Estland, einem kleinen Land in Osteuropa, gegründet wurde und es schaffte, das, was zunächst wie ein Handicap aussah, in einen Wettbewerbsvorteil umzuwandeln. Wie er erklärte, verfügte Bolt nicht über das Kapital, um mit den großen Technologiezentren Westeuropas oder der Vereinigten Staaten zu konkurrieren, aber es fand Leute mit einem hohen Maß an Engagement und einer starken Motivation, beim Aufbau eines Unternehmens mit internationalen Ambitionen mitzuhelfen.
Seiner Ansicht nach ist das größte Hindernis für die Entwicklung europäischer Innovation nicht der Mangel an Geld, sondern die Art und Weise, wie das Geld investiert wird.
„Europa ist eine der wohlhabendsten Regionen der Welt, dennoch verbleiben große Kapitalbeträge in Bankeinlagen und Investitionen mit geringer Rendite, anstatt in Unternehmen und neue Technologien zu fließen“, argumentierte er.
Laut Villig sind die alltäglichen Einzelhandelsinvestitionen auf den amerikanischen Märkten um ein Vielfaches höher als in Europa, was eine andere Kultur gegenüber Risiko und Unternehmertum widerspiegelt.
Der Bolt-Gründer schätzt, dass die europäische Wirtschaft aufgrund dieser Denkweise jedes Jahr zwischen 2 und 3 Billionen Euro an Wert verliert, und argumentiert, dass steigende Investitionen in Unternehmen, Universitäten und Risikokapitalfonds das Wachstum des Kontinents erheblich beschleunigen könnten.
Unternehmen, die vom ersten Tag an global sind
Die Notwendigkeit einer internationalen Ausrichtung bereits in den ersten Schritten eines Start-ups war ein weiteres Thema, das die Diskussionen dominierte.
Suo Wang, Mitbegründerin von Deel, einem der am schnellsten wachsenden Unternehmen der Welt im Bereich Lohn- und Gehaltsabrechnung und Personalmanagement, teilte ihre eigenen Erfahrungen. Deel ist mittlerweile in 160 Ländern tätig, wickelt Zahlungen im Wert von 3 Milliarden Dollar ab und bedient jeden Monat rund 40.000 Unternehmen.
Wang, der im Alter von 16 Jahren von China in die USA zog, ohne Englisch zu sprechen, argumentierte, dass der Erfolg eines Unternehmens nicht nur von Technologie oder Umsatz abhängt, sondern vor allem davon, ob es ein echtes Problem löst.
Sie stellte fest, dass Unternehmen der neuen Ära nicht mehr dem traditionellen Wachstumsmodell folgen, bei dem ein Unternehmen in einem lokalen Markt beginnt und schrittweise ins Ausland expandiert.
„Vor zwanzig oder dreißig Jahren hat man in einer Region angefangen und dann expandiert. „Heutzutage sind Unternehmen vom ersten Tag an global“, sagte sie und erklärte, dass neue Technologien es Start-ups nun ermöglichen, von Anfang an internationale Märkte anzusprechen.
„Wenn du es in Griechenland schaffst, kannst du es überall schaffen“
Eines der auffälligsten Beispiele eines europäischen Unternehmens, dem es gelungen ist, ausgehend von einem kleinen Markt eine internationale Präsenz aufzubauen, wurde von George Daskalakis, Mitbegründer und Geschäftsführer von Kaizen Gaming, vorgestellt.
Das in Griechenland gegründete Unternehmen ist heute in 20 Märkten in Europa, Afrika und Lateinamerika tätig und hat sich zu einem der wichtigsten Player seiner Branche weltweit entwickelt.
Daskalakis beschrieb diesen Weg nicht als eine lineare Erfolgsgeschichte, sondern als einen Prozess voller Misserfolge, Anpassungen und ständigem Lernen.
Er erinnerte sich, dass der erste Versuch des Unternehmens, in Polen international zu expandieren, gescheitert sei. Der nächste Versuch in Rumänien erwies sich als erfolgreich und sei der erste Beweis dafür, dass das Unternehmen über Griechenland hinaus wachsen könne.
„In New York sagt man, dass man es überall schaffen kann, wenn man es hier schafft.“ „Ich glaube, wenn man es in Griechenland schafft, kann man es überall schaffen“, sagte er.
Er betonte, dass Misserfolge ein integraler Bestandteil des Unternehmenswachstums seien, und verglich die Entwicklung von Unternehmen mit der von Menschen: Wenn sie wachsen, stehen sie vor neuen Herausforderungen, machen Fehler und sind gezwungen, sich anzupassen.
Europas große Wette
Trotz ihrer unterschiedlichen Wege kamen die Redner zu einer gemeinsamen Schlussfolgerung: Europa verfügt über Talente, Universitäten und Kapital, hat aber Schwierigkeiten, sie zu globalen Technologie-Champions zu machen.
Die Herausforderung für Europa besteht nicht mehr nur darin, Forschung und Talente hervorzubringen, sondern diese Ideen in globale Unternehmen umzusetzen. Das war eine der Hauptbotschaften der Redner aus Athen.










