Analyse zur Bedrohung aus Russland

Europa soll auch ohne die USA zurückschlagen können


Aktualisiert am 28.08.2026 – 11:11 UhrLesedauer: 3 Min.

Bundeswehrsoldaten der Panzerbrigade Litauen (Archivild): Sie sichern die Nato-Ostflanke. (Quelle: Juliane Sonntag/imago)

Europas Nato-Staaten müssen nach Einschätzung zweier Forscherinnen in der Lage sein, russischen Nachschub und Aufmarschgebiete weit hinter der Front anzugreifen.

Die europäischen Nato-Staaten haben ihre Verteidigung verstärkt. Nach Einschätzung der Politikwissenschaftlerinnen Margaryta Khvostova und Amelia Hadfield fehlt ihnen jedoch noch die Fähigkeit, Russland im Kriegsfall dauerhaft in der Tiefe zu treffen – ohne entscheidende Hilfe der USA. Zu diesem Schluss kommen die beiden Wissenschaftlerinnen von der britischen University of Surrey in einer am Dienstag veröffentlichten Analyse für die Denkfabrik Center for European Policy Analysis (CEPA).

Khvostova und Hadfield plädieren in ihrer sicherheitspolitischen Analyse nicht für einen europäischen Angriffskrieg. Sie beschreiben, wie Europa auf einen russischen Angriff reagieren und Moskau daran hindern könnte, einen schnellen militärischen Erfolg zu erzielen.

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Angriffe weit hinter der Front

Dafür dürfe sich die Nato nicht auf die Verteidigung ihrer Grenzen beschränken. Europäische Streitkräfte müssten russische Truppen auch mit dauerhaften Angriffen auf mittlere und große Entfernung treffen können. Ziel sei es, die russischen Frontverbände von Material und Personal abzuschneiden und bereits die Vorbereitung weiterer Angriffe zu stören.

Die Autorinnen verweisen auf den britischen Generalstabschef Roly Walker. Er sagte im Juni, das britisch geführte Allied Rapid Reaction Corps müsse dazu in der Lage sein, was ukrainische Großverbände schon heute leisteten: russische Kräfte mit fortgesetzten Schlägen in der Tiefe schwächen und anschließend an verwundbaren Stellen angreifen.

Brennende Ölraffinerie in Moskau (Archivbild): Die Ukraine greift regelmäßig mit Drohnen Russlands Energieinfrastruktur an. (Quelle: IMAGO/Sefa Karacan/imago)

Großbritannien will deshalb im kommenden Jahr deutlich mehr ferngesteuerte und autonome Systeme an die Nato-Ostflanke verlegen. Sie sollen dort innerhalb von 30 Minuten einsatzbereit sein.

Die zugrunde liegende Strategie schließt auch Angriffe auf russischem Staatsgebiet ein. Eine von CEPA herangezogene Analyse des International Institute for Strategic Studies nennt als Ziele unter anderem weitreichende Waffensysteme ebenso wie Luftverteidigung und Kommandozentralen. Aktuell ist die Situation allerdings noch so, dass ohne den Schutz und die militärischen Fähigkeiten der USA europäische Regierungen solche Angriffe vorsichtiger auswählen und stärker politisch kontrollieren müssen, um eine weitere Eskalation zu vermeiden.

Europa müsste laut Analyse Zeit gewinnen

Nach Einschätzung der Expertinnen verfügt die europäische Nato grundsätzlich über genügend Personal und Waffensysteme, um sich einer möglichen russischen Offensive entgegenzustellen. Ohne die USA könnte sie aber weder dauerhaft die Lufthoheit sichern noch Aufklärung, Cyberoperationen und weitreichende Angriffe in amerikanischem Umfang miteinander verbinden.

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