Ermittler gehen von Anschlag aus

Stromausfall in Reutlingen – Firmen weiter ohne Energie


Aktualisiert am 10.06.2026 – 07:06 UhrLesedauer: 2 Min.

Polizeikräfte auf dem Gelände des Umspannwerks: Noch ist kein Bekennerschreiben aufgetaucht. (Quelle: Christoph Schmidt/dpa)

Die Ermittler sind sich inzwischen so gut wie sicher: Der Stromausfall in Reutlingen geht auf einen Anschlag zurück. Aber: Wer war es?

Nach dem umfassenden Stromausfall in der 120.000-Einwohner-Stadt Reutlingen bitten die Generalstaatsanwaltschaft Stuttgart und das Landeskriminalamt Baden-Württemberg die Bevölkerung um Mithilfe. Wie die Behörden am Dienstag mitteilten, gehen die Ermittler inzwischen von gezielter Brandstiftung aus.

„Nach derzeitigem Ermittlungsstand sind ein oder mehrere bislang noch unbekannte Täter auf das Gelände des Umspannwerks eingedrungen, um dort an mehreren Stellen Brände zu legen“, teilten die Beamten mit. Wer in der Nacht von Sonntag auf Montag verdächtige Personen oder Fahrzeuge im Bereich des Umspannwerkes Reutlingen-West gesehen hat, wird gebeten, sich beim Landeskriminalamt zu melden.

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Der Brand im Umspannwerk war in der Nacht zum 8. Juni ausgebrochen. In der Folge war das Umspannwerk ausgefallen, auch eine weitere Anlage wurde in Mitleidenschaft gezogen. Zeitweise waren dadurch 40.000 Menschen ohne Strom, auch ein Krankenhaus sowie Industrie- und Gewerbekunden waren betroffen. Der Gesamtschaden zur Reparatur der Anlage dürfte sich früheren Angaben zufolge auf mehrere Millionen Euro summieren.

Schnell hatten sich Hinweise auf eine mögliche Brandstiftung verdichtet, nachdem ein mutmaßlicher Brandbeschleuniger gesichert worden war. Nach Angaben des Netzbetreibers Netze BW wurden drei verschiedene Brandstellen identifiziert, außerdem war der Zaun vor der Anlage beschädigt. Wer hinter der Attacke stehen könnte, ist unklar. Ein Bekennerschreiben ist bisher nicht aufgetaucht.

Stromausfall in Reutlingen: „Nahezu alle“ Haushalte wieder versorgt

„Wir ermitteln ergebnisoffen weiter“, sagte ein LKA-Sprecher. Es gebe keine Hinweise auf einen politischen Hintergrund. Das Ermittlungsverfahren wird beim Staatsschutzzentrum der Generalstaatsanwaltschaft Stuttgart geführt. Der Grund: Der Tat liege möglicherweise eine extremistische Motivation zugrunde.

Inzwischen seien „nahezu alle“ Privathaushalte wieder an den Strom angeschlossen, meldete Netze BW unterdessen am Dienstagnachmittag. Für gewerbliche und industrielle Kundinnen und Kunden sei die Versorgung weiterhin teilweise unterbrochen.

Bürger sollen Stromverbrauch beschränken

Noch rund 50 Kunden im Gewerbegebiet seien derzeit nicht angeschlossen, teilte die FairNetz GmbH mit. Die Verantwortlichen rechnen damit, dass sie bis Mittwoch wieder ans Netz gehen werden. „Hoffentlich ist die Vollversorgung morgen wiederhergestellt“, sagte Richard Huber, Leiter systemübergreifende Infrastruktur bei der Netze BW. Den Gesamtschaden zu beheben, wird seinen Worten nach noch Wochen oder gar Monate dauern.

Privatkunden wurden zum Energiesparen aufgerufen. „Die kurzfristig geschaffenen provisorischen Lösungen sollen schnellstmöglich durch eine stabile und reguläre Versorgung ersetzt werden“, teilte Netze BW mit. „Bürgerinnen und Bürger werden gebeten, ihren Stromverbrauch bis dahin auf das notwendige Maß zu beschränken.“

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