Überraschendes Ergebnis
Wie die Demenzdiagnose das Risiko des Partners beeinflusst
24.07.2026 – 15:02 UhrLesedauer: 2 Min.
Wer einen demenzkranken Ehepartner hat, trägt womöglich selbst ein höheres Erkrankungsrisiko. Darauf deutet eine große Studie aus Taiwan hin.
Paare teilen oft über Jahrzehnte denselben Alltag: Sie essen ähnlich, leben am selben Ort und bewegen sich häufig ähnlich viel. Dass sich dadurch auch viele Gesundheitsrisiken ähneln, ist bekannt. Eine neue Studie deutet nun darauf hin, dass dies auch in puncto Demenz gelten könnte. Nachzulesen sind die Ergebnisse in der Fachzeitschrift „JAMA Network Open“.
Deutlich höheres Risiko festgestellt
Für die Untersuchung werteten die Forscher die Gesundheitsdaten von mehr als 955.000 verheirateten Menschen aus Taiwan aus. Grundlage dafür war die nationale Krankenversicherungsdatenbank, die nahezu die gesamte Bevölkerung des Landes erfasst. Dabei verglichen sie rund 191.000 Personen, deren Ehepartner erstmals an Demenz erkrankt war, mit mehr als 764.000 ähnlich alten Menschen, deren Partner keine Demenz hatte.
Das Ergebnis: Frauen hatten nach einer Demenzdiagnose ihres Partners ein um 74 Prozent höheres relatives Risiko, selbst an Demenz zu erkranken. Bei Männern lag der Anstieg bei 69 Prozent.
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Entscheidend ist jedoch der Blick auf das tatsächliche Erkrankungsrisiko: Innerhalb von fünf Jahren erkrankten 6,5 Prozent der Frauen mit einem demenzkranken Partner selbst an Demenz. In der Vergleichsgruppe waren es 3,7 Prozent. Bei Männern lagen die Werte bei 9,2 beziehungsweise 5,8 Prozent.
Gut zu wissen
Das relative Risiko zeigt, wie viel häufiger eine Erkrankung im Vergleich zu einer ähnlichen Gruppe auftrat – nicht, wie viele Menschen tatsächlich zusätzlich erkrankten.
Warum das Risiko steigen könnte
Warum häufiger beide Ehepartner an Demenz erkranken, lässt sich mit der Studie nicht beantworten. Die Forscher vermuten, dass hier mehrere Faktoren zusammenwirken. Menschen wählen häufig Partner mit einem ähnlichen Bildungsstand, vergleichbaren Lebensgewohnheiten und ähnlichen gesundheitlichen Voraussetzungen. Hinzu kommen Jahrzehnte gemeinsamer Umwelt- und Lebensbedingungen.
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Auch die Belastung durch die Pflege eines demenzkranken Partners könnte eine Rolle spielen. Dauerhafter Stress, Schlafmangel, soziale Isolation oder weniger Bewegung gelten als mögliche Risikofaktoren für eine spätere Demenz. Ob diese Faktoren den Zusammenhang tatsächlich erklären, konnte die Studie jedoch nicht untersuchen.
Die Studie hat Grenzen
Die Forscher berücksichtigten zwar zahlreiche bekannte Risikofaktoren wie Bluthochdruck, Diabetes oder Depressionen. Dennoch handelt es sich um eine Beobachtungsstudie. Die Demenzdiagnosen basierten auf Abrechnungs- und Gesundheitsdaten. Eine Bestätigung durch Biomarker oder andere spezialisierte Untersuchungen lag nicht vor, weshalb Fehldiagnosen oder eine ungenaue Zuordnung der Demenzform nicht ausgeschlossen werden können.











