Die Temperaturen steigen langsam, die Tage werden länger und der Sommer steht vor der Tür. Für einen Abend mit Freunden oder ein Grillfest mit der Fußballweltmeisterschaft kommt es auf das richtige Getränk an.
Deutschland ist stolz darauf, eine Biernation zu sein. Das Oktoberfest lockt jährlich Millionen Besucher an, im vergangenen Jahr wurden rund 6,5 Millionen Maß (ein großer Glaskrug mit genau 1 Liter Bier) an den Theken ausgeschenkt.
Um etwas tiefer in die Liebe Deutschlands zum Bier einzutauchen, hat Euronews einen Blick auf einige der interessantesten Bierideen des Landes geworfen.
Meisterschaften im Heimbrauen
Deutschland hat sogar eine eigene Heimbraumeisterschaft.
Vorjahressieger war Jan Mordhorst, der sich gegen rund 200 Mitbewerber durchsetzte und sich den Titel sicherte.
„Altbier ist ein anspruchsvoller Stil“, sagte der Gewinner des Jahres 2025 bei der Preisverleihung. Das Rezept ist jetzt online frei verfügbar, sodass andere Hobbybrauer es nachmachen können.
Mordhorst hatte auch einige Tipps für alle, die in seine Fußstapfen treten möchten.
„Idealerweise sollte die Würze in einem Fass oder Druckgärtank vergoren werden“, sagte er. „Nach Abschluss der Reifung wird das Bier vorsichtig über ein schwimmendes Tauchrohr von oben abgezapft und anschließend unter Gegendruck abgefüllt. Dadurch entsteht ein besonders klares Bier.“
Sein Preis: 400 Liter eigenes Bier und ein Sachpreis seiner Wahl, etwa ein Upgrade seiner Brauanlage oder einer eigenen Schankanlage im Wert von 2.500 Euro, gestiftet vom Wettbewerbsveranstalter Störtebeker Braumanufaktur. Das Bier kommt im Frühjahr in den Verkauf.
Im Jahr 2026 wird es anlässlich des 10-jährigen Jubiläums um Biere im Weizenbock-Stil gehen.
Mikrobrauereien
Unter Craft Beer versteht man ursprünglich das handwerkliche Brauen und nicht die großindustrielle Produktion.
Mittlerweile werden unter dem Begriff aber auch unkonventionelle Mischungen von Hopfen- und Malzsorten verstanden.
Der Trend kommt von jenseits des Atlantiks, doch seit den 2010er-Jahren boomt die Craft-Beer-Szene auch in Deutschland.
Craft Beer soll über die Grenzen von Pils, Helles und Weizenbier hinausgehen und versuchen, Bier, wie wir es kennen, neu zu erfinden.
Daher wird es oft in kleineren Mengen mit vergleichsweise mehr Hopfen gebraut, was oft den Preis des Endprodukts in die Höhe treibt.
Besonders hohe Preise können für limitierte Biere erzielt werden. Die japanische Brauerei Sapporo beispielsweise bietet Bier an, das aus den Ablegern von Keimlingen ganz besonderer Gerstenkörner gebraut wird: Sie hatten auf der Internationalen Raumstation ISS die Erde umkreist.
Von der „Sapporo Space Barley“ wurden nur 250 Sixpacks hergestellt, die für 110 US-Dollar (rund 95 Euro) pro Stück verkauft wurden. Das entspricht etwa 12 Euro pro Flasche.
Aus Deutschland gibt es auch das Gänstaller Bräu aus dem bayerischen Hallerndorf, dessen Gänstaller Onyx – Imperial Stout satte 20 Euro pro Liter kostet.
Auf der BeerTasting-App, in der Nutzer bestimmte Biere bewerten können, wird es als besonders vollmundig, bitter, opulent und fast ölig beschrieben.
Traditionelles Klosterbier
Das frühe Bierbrauen fand oft in Klöstern statt und wurde dort zum Alltag, wie das Kloster Andechs auf seiner Website erklärt.
Man geht davon aus, dass die Benediktinermönche, die 1455 zur Gründung des Klosters nach Andechs zogen, bereits umfangreiche Kenntnisse im Bierbrauen mitbrachten.
Einer der späteren Benediktiner, Willibald Mathäser, brachte die Bedeutung des Getränks nach Angaben des Klosters Andechs so auf den Punkt: „Bei uns in Bayern ist Bier kein Luxus, sondern ein Grundnahrungsmittel. Es wird wie Brot aus Getreide, Hefe und Wasser hergestellt.“
Auch wenn die meisten Brauereien heute als säkulare Betriebe geführt werden, gab es einst eine Zeit, in der den Pilgern auf der Durchreise Bier kostenlos ausgehändigt wurde.
Heute sind Klosterbiere wie jene aus dem Kloster Andechs oder beispielsweise aus dem Kloster Weltenburg etwas teurer als herkömmliche Industriepils und werden oft als Premiumprodukte vermarktet.
Viele Klöster bieten Führungen und Führungen an, und oft kann man dort noch etwas trinken oder essen.
Eine 5.000 Meter lange Bierpipeline
Für viele wäre Fußball ohne Bier nur halb so viel Spaß. Zum Glück hat sich die Veltins-Brauerei für die Fußball-Weltmeisterschaft 2006 etwas Besonderes einfallen lassen.
Eine 5.000 Meter lange Bierleitung führte von der Veltins-Arena in Gelsenkirchen zur Versorgung des Stadions mit frisch gezapftem Bier.
Nach Angaben des Stadions wurden in vier Kühlzentren unterhalb der Arena 52.000 Liter Bier gelagert. Anstatt Tausende einzelner Fässer durch das Stadion zu transportieren, floss das Bier direkt durch unterirdische Rohre zu den Zapfhähnen auf der Tribüne.
Von den Andockstellen aus wurde es in die Schankanlagen eingespeist, bevor es in die Gläser der Fans gelangte, sodass an jedem Spieltag Zehntausende Liter Bier ausgeschenkt werden konnten.
Im Jahr 2006 war dies in Europa noch eine eher ungewöhnliche Idee. Doch heutzutage nutzen viele moderne Großstadien zentrale Tanks und Rohrsysteme.
Deutschlands teuerstes Flaschenbier
Eines der exklusivsten und teuersten Flaschenbiere ist der sogenannte „Schorschbock 57“.
Die Brauerei dahinter, Schorschbräu, stammt wenig überraschend aus Bayern, dem Bundesland mit der höchsten Brauereidichte.
Das Besondere an diesem Bier ist das Eisbock-Verfahren.
Hier steht nicht der Hopfen im Vordergrund, wie es bei Bier oft der Fall ist, sondern Malzaromen.
Eisbock-Biere zeichnen sich außerdem durch einen sehr hohen Alkoholgehalt aus – Schorschbock 57 beispielsweise enthält 57 % Alkohol. „Kleine Schlucke sind ratsam“, empfiehlt die Website von Schorschbräu. Dank seiner likörähnlichen Stärke sind geöffnete Flaschen mehrere Wochen haltbar.
Online wird es für rund 747,50 Euro pro Liter verkauft. Miniaturflaschen mit 0,04 Liter Inhalt gibt es für 30 Euro zu kaufen.
Anmerkung der Redaktion: Dieser Artikel enthält Informationen zu alkoholischen Getränken. Der Konsum von Alkohol kann gesundheitliche Risiken bergen. Verantwortungsvoller Alkoholkonsum wird empfohlen.









